Kinder, schafft Neues!
Es gibt in Bayreuth ein höchst erfolgreiches Privattheater: Im Innenhof des Klavierbauers Steingraeber bietet der Regisseur und Schauspieler Uwe Hoppe seit 40 Jahren seinen ganz eigenen, stets frischen Blick auf das Werk Richard Wagners. Mit «Lohengrin sein Vater und der Gral» stellte man sich im vergangenen Sommer in der «kleinen Scheune» unter anderem der interessanten Frage, wer eigentlich Lohengrins Mutter war.
Wer zeitgleich den «Ring des Nibelungen» in der größeren Scheune am Hügel besucht, könnte sogar den Verdacht bekommen, Hoppe habe seine Regietätigkeit inzwischen unter Pseudonym ausgeweitet. Denn was sich Valentin Schwarz 2022 für Wagners ungestrichenen Notentext ausgedacht hat, besitzt über weite Strecken ähnlich humoristische Qualitäten wie weiland Hoppes «Ring der Niederungen». Man hockt bei Götters, steigt für den Marsch nach Walhall gechillt in den ersten Stock; im «Rheingold» fährt Fafner noch SUV, später, im «Siegfried», dann eher Rollator; und Gunther trägt ein echt cooles T-Shirt mit der Aufschrift «Who the fuck is Grane?» Nach einer inneren Logik zu suchen, mag Rezensenten zur Verzweiflung gebracht haben. Dafür darf man das junge Regieteam um seinen Spaß bei ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 118
von Michael Stallknecht
Herr Žuraj, wie geht also ein solches Kunststück?
Händl Klaus hat den Stoff von Thomas Mann schon lange in sich getragen und den Wunsch geäußert, daraus ein Musiktheaterstück zu machen. Mich selbst hat vor allem der Umbruch interessiert, in den die Hauptfigur der Erzählung gestürzt wird – von der Lebensblüte in diese Krankheit, in diesen Zerfall. Ich habe in diesem...
Als im vergangenen Jahr Christoph Menkes «Theorie der Befreiung» erschien, musste man bei der Lektüre gleich zu Beginn schlucken. Denn die Diagnose des Frankfurter Philosophieprofessors war beileibe nicht dazu angetan, Hoffnungsfunken zu versprühen: «Wir leben in einer Zeit gescheiterter Befreiungen.» Das war starker Tobak, der sich nur wenige Zeilen später noch...
Auf die Frage nach dem größten und bedeutendsten Tenor lautet die Antwort auch heute noch fast einhellig: Enrico Caruso. Tenöre der jüngeren Vergangenheit, denen dieser Ehrentitel angetragen wurde, verweisen, wie Luciano Pavarotti, auf Caruso als ihren Urahn: «Ganz gleich, welches Jahr man gerade schreibt», urteilte Pavarotti, «Caruso wird immer ein ‹moderner›...
