Kabale und Liebe
An diesem Stück fasziniert vieles. Zum Beispiel wirkt es zunächst in seinen derben Rollen- und Geschlechterbildern ganz dem 18. Jahrhundert verhaftet, scheint sich aber zugleich auch schon über diese lustig zu machen. Gegen Ende hin dreht es dann ab in eine subversive Absurdität, die auf eine Weise modern wirkt, wie sie eigentlich erst im Dadaismus nach dem Ersten Weltkrieg erreicht wurde. Die Rede ist von Giovanni Paisiellos Buffa-Oper «La molinara» («Die Müllerin»).
Georg Quander, Künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg, hatte dieses Jahr den Mut, sie als einzige große Premiere der Saison zu präsentieren. Und dieser Mut hat sich ausgezahlt. Rheinsberg hat von sich reden gemacht.
Von der Epoche her passt der Neapolitaner Paisiello (1740–1806) wunderbar in das Repertoire, das im einstigen preußischen Musenhof sommers üblicherweise gespielt wird. Er kannte Mozart, soll ihn auch mindestens einmal getroffen haben, die Vertonung von Beaumarchais’ Schauspiel «Le Barbier de Séville» gilt heute als sein wichtigstes Werk. «La molinara» auf ein Libretto von Giuseppe Palomba schrieb Paisiello anno 1788; die Reihenfolge der Nummern wurde nach der Uraufführung, damals völlig ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Magazin, Seite 90
von Udo Badelt
Just als Jewgeni Prigoschin sich mit seiner schwerbewaffneten Wagner-Truppe auf Moskau zubewegte, wurde im Bolschoi-Theater Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» (in der revidierten Version, als «Katerina Ismailova») gespielt, und einige Zuschauerinnen und Zuschauer dachten für einen Moment, sie würden nach der letzten Gefängnisszene auf die Straße gehen...
Das Buch ist 402 Jahre alt. Ein Klassiker der Melancholie-Literatur, unmittelbar nach Ende der elisabethanischen Epoche verfasst, getüncht mit Shakespeare’scher Schlauheit und dem humanistischsouveränen Geist eines Thomas Hobbes. Und noch heute liest sich Robert Burtons anno 1621 erschienenes, poetisch wie philosophisch wirkungsmächtiges Traktat «The Anatomy of...
In Polen gibt es ein neues, kleines und feines Opernfestival: das Baltic Opera Festival. Als Künstlerischer Leiter fungiert der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny. 2009 entdeckte er bei einer konzertanten «Rheingold»-Aufführung (er selbst gab den Alberich) die szenisch damals noch brachliegende Waldoper von Sopot in der Nähe von Danzig und dachte über eine...
