Intuition und Vertrauen
Herr de Caluwe, La Monnaie ist das erste «Opernhaus des Jahres», das nicht im deutschsprachigen Raum steht. Hat der Titel deshalb für Sie einen anderen Stellenwert?
Natürlich gelten einige Faktoren für uns ebenso wie für ein deutsches Haus: der Effekt auf das Publikum, die motivierende Wirkung in das Haus hinein. Aber davon abgesehen hat die Wahl zum «Opernhaus des Jahres» für La Monnaie tatsächlich eine ganz spezielle Bedeutung. Denn für mich war immer wichtig zu betonen, dass wir ein europäisches Opernhaus sind: das Opernhaus der Hauptstadt Europas.
In diesem Sinne gehören Deutschland und Frankreich ebenso zu Brüssel wie wir zu Deutschland und Frankreich. Und ich glaube, dass wir aus diesem Grunde auch eine ganz besondere Aufgabe haben: Schon meinen Vorgängern Gerard Mortier und Bernard Foccroulle ging es darum, mit den Mitteln der Kunst zu zeigen, dass die vielfältigen nationalen Ausprägungen der europäischen Kultur ein funktionierendes, harmonisches Ganzes ergeben, ohne dass die Individualität der einzelnen Stimme deshalb verloren geht. Dazu gehört, dass wir dieses gemeinsame Erbe in einem kollektiven Prozess weiter entwickeln müssen – denn nichts anderes signalisiert ja die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 10
von Peter de Caluwe
Die Oper befindet sich in Auflösung, seit über hundert Jahren, und sie erfindet sich dabei immer wieder neu. Letzteres ist beruhigend zu wissen. Wird aber bei der Moderation der Krisengespräche in den Feuilletons oft vergessen oder gar unterschlagen. Und auch das für die Nachwelt fraglos nützliche Kategorisieren, Sortieren und Hierarchisieren nach Künstleroper,...
Eine so vielseitige Spielzeit hat selbst Gerard Mortier in Brüssel nur selten hinbekommen: Neben der Uraufführung von Hosokawas «Matsukaze» (szenisch betreut von Sasha Waltz) sorgte La Monnaie 2010/11 für die glanzvolle Rehabilitierung von Meyerbeers «Les Huguenots»; Andrea Breth setzte sich erstmals mit Janácek auseinander; Romeo Castellucci gestaltete den...
Es klingt ehrlich. Als Johannes Martin Kränzle erfährt, dass er zum «Sänger des Jahres» gewählt wurde, platzt es aus ihm heraus: «Das kann aber gar nicht sein!» Was für ein typischer, bescheidener Satz. Er klingt wie: Es gibt doch so viele gute und berühmtere Sänger, warum kommen Sie gerade auf mich? Stimmt: Es gibt viele gute und berühmtere Sänger. Und trotzdem...
