Initiation in Haute Couture
Vielleicht ließ Vincent Boussard, Regisseur von Händels Radamisto im Theater an der Wien, seine Seele im Sigmund-Freud-Museum in der Berggasse baumeln. Auf jeden Fall spielt seine Inszenierung mit dem Phänomen von Ich und Über-Ich sowie mit der Welt der Träume. Im kargen Bühnenraum von Vincent Lemaire schwänzeln unter anderem in allen Größen projizierte Zierfische als «Symbole des Auftauchens aus dem undifferenzierten Unbewussten» (Programmheft).
Très chic – wie auch die Zeiten und Stile elegant mischenden Kostüme des Pariser Couturiers Christian Lacroix –, aber in summa völlig belanglos.
Dennoch muss man das Haus loben, denn diese Produktion bestätigt erneut seinen Ruf als Händel-Zentrum. Und während Her Majesty’s Theatre am Haymarket in London, Nachfolger des King’s Theatre (1720 Ort der Uraufführung von Radamisto), seit Jahren mit The Phantom of the Opera die Kassen füllt, boten die Wiener mit dieser Oper die bis dato sechzehnte Händel-Produktion in knapp sieben Jahren (etwa die Hälfte davon szenisch; bis zum Saisonende werden es insgesamt zwanzig sein) – und präsentieren zugleich eine Art Opernphantom. Denn das Stück, das erste, das Händel für die Royal Academy of Music ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Zur Feier des Britten-Jubiläums haben die beiden wichtigsten englischen Festivals Mitschnitte herausgebracht: Glyndebourne Jonathan Kents Inszenierung von The Turn of the Screw auf DVD, Aldeburgh The Rape of Lucretia unter Oliver Knussen als Doppel-CD.
Die Glyndebourne-Produktion (eine Reprise der Inszenierung von 2005 aus dem Jahr 2011, aber erstmals auf DVD)...
Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...
Alljährlich im Januar begrüßt das Berliner Ultraschall Festival das neue Jahr mit Neuer Musik. Wenngleich die Veranstalter, Deutschlandradio Kultur und das Kulturradio des rbb, während des zehntägigen Konzertreigens vor allem Instrumentalwerke zur Diskussion stellen, finden sich auch bühnenaffine Arbeiten im Programm. Diesmal konnte der Litauer Vykintas...
