In Wagners Welt
Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of Alternative Histories», geht eine international zusammengesetzte, spartenübergreifende Truppe im Grunde auf Wagners «Ring», seine Quellen und zugleich auf den Kontext von Entstehung und Rezeption los.
Das Gesamtkunstwerk wird zerlegt, hinterfragt, aufgewirbelt, mal besinnlich von der Seite betrachtet, mal angerempelt, mal veralbert und nur manchmal ernst genommen. Passagenweise dient die Tetralogie als Spielwiese für scheinbar Spontanes, dann wieder wird sie als Theater ironisiert und ad absurdum geführt. Kassels Erster Kapellmeister Mario Hartmuth und das Staatsorchester sind mit Begeisterung (und einigen eigenen Arrangements) dabei. Regie führt der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson; er hat auch die Textfassung erstellt. Mit ihrem singenden, tanzenden und sprechenden Personal können sich alle Beteiligten hier auf einem ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Joachim Lange
Erinnern wir uns: Sommer 1993. Das Unfassliche geschieht, beinahe über Nacht und nach einer Sitzung, deren Dramatik wohl unübertroffen war, liest man noch einmal die entsprechende Passage in den Erinnerungen des damaligen Berliner Kultursenators Ulrich Roloff-Momin mit dem pikanten Titel «Zuletzt Kultur». Das Schiller Theater, Stätte unzähliger grandioser...
JUBILARE
Werner Herzog wurde am 5. September 1942 in München geboren. Nach dem Abitur war er bereits an ersten kleinen Filmproduktionen beteiligt. Außerdem studierte Herzog Geschichte, Literatur und Theaterwissenschaft in seiner Geburtsstadt. Anfang der 1960er-Jahre kam es zu ersten Filmveröffentlichungen sowie zur Gründung einer eigenen Produktionsgesellschaft....
Zum Beispiel der kurze Blick in den Spiegel, ganz links hängt der. «Einen Unseligen labtest du», singt Siegmund und betrachtet sich betrübt, aber ohne jedes Selbstmitleid. Oder zuvor das zweimalige Reichen des Wasserglases, bevor Sieglinde noch eine Flasche Met bringt, vom Bruder anerkennend gewürdigt (die drei Gesten stehen exakt so in der Partitur). Oder der...
