In Wagners Welt
Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of Alternative Histories», geht eine international zusammengesetzte, spartenübergreifende Truppe im Grunde auf Wagners «Ring», seine Quellen und zugleich auf den Kontext von Entstehung und Rezeption los.
Das Gesamtkunstwerk wird zerlegt, hinterfragt, aufgewirbelt, mal besinnlich von der Seite betrachtet, mal angerempelt, mal veralbert und nur manchmal ernst genommen. Passagenweise dient die Tetralogie als Spielwiese für scheinbar Spontanes, dann wieder wird sie als Theater ironisiert und ad absurdum geführt. Kassels Erster Kapellmeister Mario Hartmuth und das Staatsorchester sind mit Begeisterung (und einigen eigenen Arrangements) dabei. Regie führt der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson; er hat auch die Textfassung erstellt. Mit ihrem singenden, tanzenden und sprechenden Personal können sich alle Beteiligten hier auf einem ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Joachim Lange
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
arte
11.09. - 17.25 Uhr Orff: Carmina Burana «O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich, wächst du immer oder schwindest!»
Carl Orffs szenische Kantate «Carmina Burana» handelt von der Unbeständigkeit des Glücks und der Flüchtigkeit des Lebens. Regula Mühlemann, Michael Schade und Markus Werba sind die Solisten dieser Aufführung unter freiem Himmel auf dem...
Zum Beispiel der kurze Blick in den Spiegel, ganz links hängt der. «Einen Unseligen labtest du», singt Siegmund und betrachtet sich betrübt, aber ohne jedes Selbstmitleid. Oder zuvor das zweimalige Reichen des Wasserglases, bevor Sieglinde noch eine Flasche Met bringt, vom Bruder anerkennend gewürdigt (die drei Gesten stehen exakt so in der Partitur). Oder der...
