Im Schmelztiegel der Kulturen
Noch in den 1960er-Jahren kam man nicht an dem Namen Paul Abraham vorbei. In den Radiosendern waren brav arrangierte Medleys seiner Operetten omnipräsent; vor allem «Viktoria und ihr Husar» und «Die Blume von Hawaii» standen hoch im Kurs. Da quietschten sich Herta Staal und Harry Friedauer mit «Mausi, süß warst du heute Nacht» durch die Röhre, und Heinz Maria Lins gab mit dem Macho-Lied «Ich hab’ ein Diwanpüppchen» den Buffo-Charmeur vom Dienst. Über den Schöpfer dieser Schlager, der eigentlich Pál Ábrahám hieß, wusste man nur wenig.
Bekannt war lediglich, dass er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wie so viele jüdische Operettenkomponisten emigrieren musste, 1956 aus den USA nach Deutschland zurückkehrte und schon vier Jahre später in geistiger Umnachtung starb. Hätte er unter anderen Umständen gelebt, wäre ihm vielleicht eine der größten Karrieren seiner Zeit beschieden gewesen – als Meister einer Operetten- und Filmmusik, die wie kaum eine andere europäische jener Zeit Jazzklänge aufgriff.
Karin Meesmann kam mit Ábrahám als Musikerin noch in Berührung. Die in Berlin lebende und lehrende Querflötistin berichtet, wie sie in den 1980er-Jahren im berühmten Kur- und ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Alexander Dick
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