Im Puppenhaus

Gounod: Faust an der Oper Wuppertal

Opernwelt - Logo

Seit geraumer Zeit wird in ambitionierten Opernaufführungen die Ouvertüre zum Anlass für stumme Kommentare, Hintergründe oder Rückblenden genommen. Die als Einstimmung und Vorstellung der wichtigsten musikalischen Themen gedachte Musikstrecke sieht sich umfunktioniert zur Tonspur eines Stummfilms. Man ist schon fast irritiert, wenn, wie jetzt in Wuppertal, der Vorhang einfach mal unten bleibt und die Musik das Wort führt.

Zum Ende der Ouvertüre, die Johannes Witt mit Schwung und Sentiment dirigiert, geschieht dann aber doch noch etwas: In weißer Frakturschrift leuchtet der Titel der Oper auf, wird aber alsbald überblendet vom Schriftzug «Marguerite», bis er schließlich darunter ganz verschwindet.

Damit ist unschwer zu verstehen, dass Regisseur Matthew Ferraro, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, die Gretchentragödie in den Mittelpunkt seiner Interpretation stellt. Wenn man es denn Interpretation nennen will, was der amerikanische Regisseur, der in seinem Vorleben Tänzer an der New Yorker Metropolitan Oper und Choreograph war, in den folgenden gut drei Stunden auf die Bühne bringt. Ferraro inszeniert Gounods Oper ganz ohne Subtext oder Dekonstruktions-Absichten sozusagen vom ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Klonbackmaschine

Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...

Und seine Seele schwebt hinauf zum Himmel

Wie es im Maschinenraum der Welt tickt? E. T. A. Hoffmann hatte davon mehr als nur eine leise Ahnung, der reisende Enthusiast war bewandert in der Kunst des Unbewussten, Unterbewussten. Und er fühlte sich pudelwohl in jenen nietzscheanisch verschleierten Sphären, in denen alles, was der Fall ist, «tiefer als der Tag gedacht» wurde, und wo alle Lust Ewigkeit...

Zerrissene Seelen

In den vergangenen Jahren sind Nikolai Medtners Werke, vor allem seine Stücke für Klavier, zunehmend aus dem Schatten der Werke seines Freundes Sergej Rachmaninow getreten. Als Liedkomponist fand Medtner bislang jedoch wenig Beachtung. Zu Unrecht, wie die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters in ihrer Gesamteinspielung der mehr als 100...