Im Krallenschritt
Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht. Bis zum Platzen pumpt Alexey Tikhomirov den Zaren Dodon mit Ekel auf und verleiht seinem Bass eine ebenso staatstragende wie wohltönende Leere.
Die Brüsseler Inszenierung von Laurent Pelly spitzt Nikolai Rimski-Korsakows satirisches Märchen zu, macht aus ihm eine gewitzte Groteske, die keinen Deut weniger über gegenwärtige politische Verhältnisse auszusagen vermag, als es eine konkrete Aktualisierung hätte leisten können. Dabei hatte sich Rimski-Korsakow mit seinem (erst posthum, 1909, uraufgeführten) «Goldenen Hahn» wieder einmal ganz und gar dem Märchenhaften und Unpolitischen verschrieben – dass Kunst und Politik nichts miteinander zu tun haben, trug der Komponist als Glaubensgrundsatz gerne vor sich her. So überlässt der Astrologe dem Zaren Dodon ein magisches Stück Federvieh, das die Fähigkeit besitzt, mit seinem ...
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Handwerk ist das eine. Aber ein wirklich gutes Theaterfoto zeichnet etwas anderes aus. «Es muss den Atem, die Seele einer Produktion einfangen», sagt Monika Rittershaus. «Und zwar so, dass noch ein Geheimnis bleibt.» Das gelinge nicht immer, auch bei den eigenen Bildern nicht. «Es klingt vielleicht etwas hochgegriffen, aber das Tollste ist, wenn ich es...
Gemälde des Diego Velazquez im Wiener Kunsthistorischen Museum zeigen Habsburgs spanische Infanten. Prinzessinen, Prinzen in den gleichen Gewändern und Posen wie ihre Eltern, eben nur ein paar Zentimeter kürzer. Kleine Erwachsene. An sie mussten wir denken, als wir Alma Deutscher zum ersten Mal im Netz sahen. Nun hat die Elfjährige, Tochter des renommierten...
Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger...
