Im Krallenschritt
Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht. Bis zum Platzen pumpt Alexey Tikhomirov den Zaren Dodon mit Ekel auf und verleiht seinem Bass eine ebenso staatstragende wie wohltönende Leere.
Die Brüsseler Inszenierung von Laurent Pelly spitzt Nikolai Rimski-Korsakows satirisches Märchen zu, macht aus ihm eine gewitzte Groteske, die keinen Deut weniger über gegenwärtige politische Verhältnisse auszusagen vermag, als es eine konkrete Aktualisierung hätte leisten können. Dabei hatte sich Rimski-Korsakow mit seinem (erst posthum, 1909, uraufgeführten) «Goldenen Hahn» wieder einmal ganz und gar dem Märchenhaften und Unpolitischen verschrieben – dass Kunst und Politik nichts miteinander zu tun haben, trug der Komponist als Glaubensgrundsatz gerne vor sich her. So überlässt der Astrologe dem Zaren Dodon ein magisches Stück Federvieh, das die Fähigkeit besitzt, mit seinem ...
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CHAYA CZERNOWIN
Was heißt Komponieren für Stimme? Diese Frage hat Chaya Czernowin schon in ihrem ersten Bühnenwerk «Pnima» (2000) beschäftigt. Sie steht auch im Zentrum ihrer neuen Oper «Infinite now» (Uraufführung: April 2017, Vlaanderen Opera). Ein Gespräch
ZEITGEISTOPER?
Knüpfen sie an die Tradition der «Zeitoper» des jungen Weill, Krenek oder Hindemith...
«Orpheus und Eurydike», 1923 entstanden und 1926 in Kassel uraufgeführt, ist neben der zweiten Symphonie eines der Hauptwerke aus Kreneks expressionistisch-atonaler Frühphase. Während er sonst die Texte zu fast allen seinen Opern selbst schrieb, griff er hier zu Oskar Kokoschkas 1919 im Druck erschienenen Drama – einer modernen Version des antiken Stoffs, die...
Puschkins 1820 veröffentlichte Verserzählung vom wackeren Rittersmann, der auf der Suche nach seiner geraubten Braut allerlei Prüfungen besteht, hat einen festen Platz im russischen Literaturkanon. Bis heute ist das tragikomische, an ironischen Obertönen reiche Poem in Russland populär. Auch weil Michail Glinka den Stoff für sein zweites Bühnenopus...
