Im Innern
Ein brillanter Einfall: Um zu verdeutlichen, dass Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» die schonungslose Offenlegung einer wahnumwölkten Seele thematisiert, deren fast klinisch anmutende Sektion, hat sich Regisseur Marco Štorman für seine Bremer Inszenierung von der Bühnenbildnerin Jil Bertermann ein sogenanntes anatomisches Theater bauen lassen, wie man es früher nutzte, um einem interessierten Publikum die Möglichkeit zu bieten, der Sezierung von Leichen beobachtend beizuwohnen – ein Angebot, das übrigens nicht nur von Studenten, Doktoren und Professoren, sondern auch von Höfli
ngen und Bürgern angenommen wurde. Solche medizinischen Schaubühnen können heute noch besichtigt werden, etwa in Padua und Berlin.
Die freie Nachbildung eines solchen Anatomischen Theaters steht jetzt also auf der Bühne am Goetheplatz. Ein blendend weißer amphitheatralischer Rundbau mit Platz für knapp 300 Zuschauer, die – gestaffelt in sechs ringförmigen Reihen – sitzend oder stehend aus nächster Nähe das Schicksal des Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz, seinen Weg in den Wahnsinn, verfolgen können. Gleichsam als Versuchsanordnung eines klinischen Falls im Hörsaal eines ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Gerhart Asche
Ensemblekünstler und Wanderer zwischen den Welten – Victor von Halem ist eine besondere Erscheinung unter den Bassisten seiner Generation. 1940 als Sohn eines Diplomaten in Berlin geboren, verbrachte er einen großen Teil seiner Jugend in Portugal und Italien. Seine Gesangsausbildung erhielt er an der Münchner Musikhochschule bei Else Dornberger. Bevor es mit der...
Ich habe geweint ... und das nicht nur einmal, bei den bewegenden Memoiren von Brigitte Fassbaender. Der Titel hat recht: «Komm’ aus dem Staunen nicht heraus.» Ein Zitat aus dem «Rosenkavalier», mit dem sie als Mezzosopran international berühmt wurde, in ihrer Glanzrolle als Octavian.
Staunen! Auch darüber, dass sie ihre Autobiografie selbst verfasst hat, ohne...
Bis 2023 ist die Mozartwoche in Salzburg in der Hand des Multitalents Rolando Villazón. Der singt als Intendant nur noch auf offener Straße, zum Gaudium des «Fußvolks», mexikanische Ständchen an Mozarts Geburtstag, ist aber auch sonst allgegenwärtig: als Moderator und Gesprächsleiter, als Regisseur von sieben eigens beauftragten Dramoletten zu Mozart-Divertimenti,...
