Im Garten der Verlockungen
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches Augenzwinkern sozusagen. Gewähre dieses Genre der Frau doch «eine ganz spezielle Position», wie Diana Damrau im Booklet ihres Albums «Operette» feststellt.
Die Protagonistin sei eben nicht die «untergebutterte» Frau, «die am Ende ihr Leben lassen muss, sondern die Diva, die aus jeder Situation das Beste herausholt», da sie sich der gängigen Moralvorstellung widersetze und damit das damals vorwiegende Männerpublikum begeistert habe. Das passt auch gut zum heutigen Zeitgeist, hat diesen sogar vorweggenommen – obschon etwa der Text von Robert Stolz’ «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein» zu Beginn des Albums eher Gegenteiliges suggeriert ...
Wie auch immer: Es ist ein zweifellos anziehender Bereich, gewissermaßen ein Garten der Verlockungen. Manche der großen Opern-Primadonnen erlag diesem Zauber und spielten Operetten-Alben ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Gerhard Persché
Alexander Zemlinskys «Traumgörge» war vom Unglück verfolgt. Die 1907 in Wien bereits fertig geprobte Uraufführung dieses Hauptwerks des deutschen Fin de Siècle wurde nach Mahlers Rücktritt als Direktor der Hofoper abgesetzt und fand erst 1980 in Nürnberg statt – lange nach Zemlinskys Tod 1942 im Exil. Wie spätere Inszenierungen benutzte sie ein korruptes...
Bühnenbilder von Karl-Ernst Herrmann bewegten sich immer «in einer unnachahmlichen Spannung zwischen den hinreißenden Details und dem großen Ganzen Schönen», schrieb Gerhard Stadelmaier 2018 in seinem Nachruf für die FAZ. Das große Ganze, meistens auch Schöne ist bekannt: Herrmanns Anfänge mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen, die höchst individuellen (Ent-)Würfe für...
Es ist kaum zu glauben. Wer das Stück in der phänomenalen Produktion des Opernhauses Zürich erlebt, könnte es für eine Schöpfung unserer Tage halten. Tatsächlich aber stammt «Amerika» von Roman Haubenstock-Ramati aus den Jahren 1962 bis 1964 – dass das Werk bei seiner Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin, deren Intendant Gustav Rudolf Sellner es in Auftrag...
