Feuerspiele
Georg Friedrich Händels «Siroe, Re di Persia» ist wenig bekannt, selten gespielt – und nichts als ein altpersischer Intrigenstadel. Die Internationalen Händel-Festspiele in Karlsruhe präsentieren die Oper nun als eine veritable, durchaus interessante Ausgrabung. Wie in einem Shakespeare’schen Königsdrama entwickelt sich ein abgründiges, sexuell und erotisch aufgeladenes Spiel der Kabale rund um den Thron: Der alternde König Cosroe mag seine Macht nur widerwillig und auch nur an den zweitgeborenen Sohn Medarse übergeben.
Denn der erstgeborene Siroe ist in Emira verliebt, die Tochter des von seinem Vater gemeuchelten Erzfeindes, weshalb sie auf blutige Rache sinnt und sich in Männerkleidern am Hof einschleicht. Verwechslungen, Irr -tümer, das Vortäuschen erotischer Begierden und denunzierende Briefe kosten den Titelhelden, der seinen Vater wie des Vaters Feind liebt, fast das Leben. Doch am Ende (nach einem Volksaufstand) geht die Sache versöhnlich aus – mit Hilfe von Arasse und dessen Schwester Laodice, die ebenfalls in Siroe verliebt und zugleich Mätresse des Vaters ist. Man kann nur hoffen, dass der Thronfolger ein besserer Herrscher wird als sein cholerischer Erzeuger.
Das nach ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Bernd Künzig
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für...
Frau Sun, ist Musik sui generis politisch? Oder doch «nur» eine Bewohnerin der glückseligen Ästhetik-Insel?
Das ist meines Erachtens eine eher rhetorische Frage, denn Sie wissen es sicher bereits: Für mich ist Musik definitiv keine Bewohnerin der Insel der Glückseligen. Gleiches gilt für mich selbst sowie das Leben um mich herum. Musik ist naturgemäß immer auch...
Das Vorbild ist übermächtig. Nichts Geringeres als Hans Zenders Übermalung der «Winterreise» wird im Booklet-Text angeführt und zugleich konstatiert: Mit der «Schönen Müllerin» habe keiner Vergleichbares gewagt. Wagemut und Chuzpe sprechen daraus – Andreas N. Tarkmann, Komponist und Arrangeur, hat sich selbst die Messlatte (zu?) hoch gelegt. Dabei ist das Vorhaben...
