Im ewigen Frühling
Olivier Messiaens drei Liederzyklen sind selten zu hören und gehören alle zum Frühwerk, das vor seiner Wende zum Serialismus entstand. Er verabschiedete sich dabei von Einflüssen des Impressionismus und des Neoklassizismus und fand zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache. Zwei der Zyklen hat die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan, die ihre künstlerischen Aktivitäten inzwischen mehr und mehr aufs Dirigieren verlegt, jetzt gemeinsam mit ihrem neuen Klavierpartner Bertrand Chamayou aufgenommen.
Messiaen verfasste die Liedtexte selbst, in einer bilderreichen, an den Surrealismus ebenso wie an die Bibel angelehnten Sprache kreisen sie um die Menschen- und Gottes-Liebe. Trotz ihres hohen religiösen Tons thematisieren sie sehr irdische Szenen einer Ehe.
Der 1936 entstandene Zyklus «Poèmes pour Mi» signalisiert dies bereits im Titel. «Mi» war der Kosename von Messiaens erster Frau, der Geigerin und Komponistin Claire Delbos, die auch im zwei Jahre später komponierten Zyklus «Chant de terre et de ciel» zusammen mit dem 1937 geborenen Sohn Pascal angesprochen wird. Eigenwillig ist aber nicht nur die gleichermaßen sinnlich-erotische wie meditativ-spirituelle Metaphorik dieser ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweiker
Potzblitz, Parbleue und Himmelsakrament! An der Deutschen Oper Berlin ist der kurze (Früh-)Sommer der Anarchie ausgebrochen. Das Musiktheaterkollektiv «Hauen und Stechen» hat sich John Adams’ augenzwinkernder Politparabel «Nixon in China» angenommen, eines Stücks, das seit seiner Uraufführung 1987 in Houston Geister und Gemüter spaltet. Verfechter der Minimal Music...
In Bulgarien wird traditionell viel Musik von Giuseppe Verdi und von Giacomo Puccini gespielt, das deutsche Opernrepertoire hingegen ist nicht so stark vertreten. Umso erstaunlicher, dass das Opernhaus in Sofia nun schon zum sechsten Mal ein Wagner-Festival ausrichtet, das seinen Ausgang im Jahr 2010 mit einer Produktion des «Rheingold» nahm. Die drei restlichen...
Tenor oder Bariton, das ist hier die Frage. Und als solche nicht ganz so leicht zu beantworten, wie es sich mancher Purist mit ausgeprägter Neigung zu hohen Stimmen vielleicht wünschte. Denn wo in anderen Fällen der Wille des Komponisten als ultima ratio zu gelten hat, ist bei Jules Massenets Drame lyrique «Werther» die Faktenlage etwas uneindeutig. Zwar...
