Ich bin, was ich bin

Zwei Mal Wien, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte: «Wozzeck» und «La Cage aux Folles»

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Sollte man nicht glücklich sein, wenn man eine hervorragende Inszenierung gesehen hat? Handelt es sich dabei um eine Inszenierung von Alban Bergs «Wozzeck», so ist die Frage, was «Glück» bedeuten kann, angesichts eines Werks, das schlichtweg perfekt ist, das aber an keiner Stelle (nirgends) so etwas wie «Hoffnung» zulässt.

 

Regisseur Simon Stone lässt uns auf seiner «Wozzeck»-Reise an der Wiener Staatsoper zwar durchaus Momente der «Ruhe», fasst einem dadurch aber nur umso tiefer in die Eingeweide des Nachdenkens über Determination, psychische Krankheit und Gerechtigkeit. «Eingeweide des Nachdenkens» meint hier nicht nur diverse Bereiche des Hirns, sondern noch ganz andere Körperregionen, die nicht unangetastet bleiben. Sowohl in der Rezeption des Zuschauers – als auch in der Behandlung des zentralen Bühnenprotagonisten. Dieser Wozzeck wird von Christian Gerhaher verkörpert. Und Gerhaher ist ein Jahrhundert-Wozzeck, so viel Untertreibung muss sein. Wozzeck muss Geld für Frau und Kind verdienen, ist aber durch medizinische Experimente, mit denen er eben jenes Zubrot ins Haus schafft, und durch die sexuelle Unterlegenheit gegenüber seiner Frau determiniert, ja: verdammt. All das ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Arno Lückers

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