I am Love, I am free

Claire Booth und Jâms Coleman «erzählen» absurde «Life Stories»

Opernwelt - Logo

Im Hotel Babylon ist die Hölle los. Sämtliche Todsünden geben sich hier die Klinke in die Hand, und es ist kein Wunder, dass daraus ein nachgerade faustisches Drama erwächst. Zumindest im gleichnamigen Lied-Zyklus der britischen Avantgarde-Komponistin Zoë Martlew, den diese, mit Blick auf Schönbergs «Brettl-Lieder» und im Gedenken an dessen 150. Geburtstag, für die Sopranistin Claire Booth zu Papier brachte.

Martlew selbst hat für «Hotel Babylon» die Texte geschrieben, und sie macht darin keinen Hehl aus ihrer Vorliebe für das Abseitig-Absurde.

Sieben fiktive Gestalten geben den Miniaturen jeweils ihren Titel und sich selbst die Ehre. Gleich die erste, «Madame» mit Namen, lässt wenig Zweifel daran aufkommen, dass dieses Paradies der Sünden ein Ort ist, an dem sich vor allem Fans von David-Lynch-Filmen wohlfühlen würden.

«Creamy, dreamy, positively seamy, silky smooth or rough», so geht es im Hotel Babylon zu, und alles, was die Phantasie erlaubt, ist auch erlaubt. Martlews Musik, von Claire Booth und ihrem Begleiter, dem Pianisten Jâms Coleman, mit idiomatischer Präzision dargeboten, entbehrt zumal im Auftaktstück jeder melodiösen Anmut. «Schüsse» fallen, Möbel kippen um, und die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Virginie Germstein

Weitere Beiträge
Der Tod der Liebe

Eine kühne Verdrehung, und das in Zeiten des verbal triumphierenden Feminismus: Aus «Giulietta e Romeo» wird im oberfränkischen Hof «Romeo und Julia». So heißt bekanntlich Shakespeares Drama, aber die von Riccardo Zandonai verwendeten Quellen setzen die Frau nach vorn. Unter diesem Titel wurde das Werk gedruckt, als «Giulietta e Romeo» gelangte es 1922 in Rom zur...

Flieg, Vogel, flieg!

Die Natur, das substanziell Reale, dessen Kraft Jacques Lacan einmal so idiosynkratisch wie poetologisch «den großen Anderen» nannte, den «Kompass unserer gesamten Existenz», sie ist abwesend an diesem Abend. Weder fließt die Wolga durchs Dorf, noch leuchten Sonne, Mond und Sterne; ja, nicht einmal der Himmel über Kalinów ist zu sehen. Fast wähnt man sich, nicht...

Mitleid wäre ein Verbrechen

Es ist leicht, sich über diese Inszenierung lustig zu machen. Leider ist es auch unvermeidlich. Ideologischer Unsinn prägt seit Jahrzehnten das deutsche Theater, aber was Cottbus mit diesem frühen Verdi anbietet, übertrifft die gängigen Muster bei Weitem, insofern Irrsinn als Steigerung von Unsinn betrachtet werden kann.

Abigaille ist zweifellos die wichtigste,...