Hundert Jahre Gemeinsamkeit
Zu den auffälligsten Tendenzen der jüngsten Zeit gehört es, dass die Mauern zwischen ganz alter und ganz neuer Musik, zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und moderner Interpretation immer häufiger fallen.
Der Buchstabe der Überlieferung wird in der Ausführung nicht mehr wörtlich eingefordert, sondern frei übersetzt, ja gänzlich ausgeblendet, wobei die stilistischen Mutationen etwa bei Simon-Pierre Bestion und seinem Ensemble «La Tempête», wie jüngst im erfrischend unkonventionellen Orlando di Lasso-Porträt, bis in die Pop-Musik reichen, aber auch die Konfrontation mit der experimentellen Avantgarde nicht scheuen.
Gleiches gilt im kleineren Maßstab, aber nicht weniger schlüssig für den Bassisten Jean-Christophe Groffe und sein in Basel ansässiges Ensemble «Thélème». Zuletzt brachte die Gruppe Lieder des Renaissance-Kompo -nisten Josquin Desprez heraus, von einem elektromechanischen Klavier und Synthesizer begleitet. Das funktionierte überraschend gut. Jetzt verbindet Groffe Auszüge aus den «Song Books» von John Cage mit Liedern aus dem «Second Book of Songs» von John Dowland. Eine wahrlich faszinierende Melange.
Es bedarf nicht einmal des ambitionierten ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Uwe Schweikert
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen. Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor»...
Bei allem gebotenen Ernst: Das hier einmal ausgesprochen physisch dargebotene Schlussgerangel um den Ring, in dessen Verlauf die Rheintöchter Hagen buchstäblich niederringen, ist dann doch ziemlich lustig. Hin und her geht es. Hagens «Zurück vom Ring!», immerhin die letzten Worte des Stücks, bleiben folgenlos, wie ja generell das vielleicht sinnvolle Abstandsgebot...
arte
07.04. – 00.50 Uhr Javier Perianes spielt Scarlatti & Albéniz
Der spanische Pianist Javier Perianes begibt sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Komponisten Domenico Scarlatti und Isaac Albéniz, die zeitlich zwar zwei Jahrhunderte auseinander liegen, sich aber durch die Verbindung mit der andalusischen Folklore nahe sind.
08.04. – 01.05 Uhr...
