Herztiere

Innsbruck im Licht: Bei den Festwochen der Alten Musik gibt Ottavio Dantone seinen Einstand als Nachfolger von Alessandro De Marchi, im Landestheater ist die Österreichische Erstaufführung der Kammeroper «Liebesgesang» von Georg Friedrich Haas und Händl Klaus zu bestaunen

Opernwelt - Logo

Das Aristokratische seines Vorgängers fehlt ihm. Alessandro De Marchi eilte stets beflissen zum Pult, nach langer Editorenarbeit, die er mutmaßlich bei einigen Gläsern Acqua naturale vornahm. Ein Dirigent, der nach dem Tod von Alan Curtis die Nische des sorgsamen, widerhakenarmen Barock-Maestros allein besetzte. Ottavio Dantone, neuer Musikchef bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, ist mehr der Typ cooler (Barock-)Bandleader.

Im Graben des Tiroler Landestheaters sitzt er, wie De Marchi, selbst am Cembalo, lässt aber seine Accademia Bizantina offensiver spielen. Historisch informiert natürlich. Wichtiger ist anderes: das Musikantische, das kollegiale Miteinander.

Bei seinem Start hat sich Dantone als Ausgräber betätigt. Geminiano Giacomellis «Cesare in Egitto», uraufgeführt 1735 in Venedig, ist schnell durchs Raster gerutscht. Auch weil eine Dekade zuvor Händels gleichnamiger Hit auf ein fast baugleiches Libretto entstanden war. Die Serenissima muss damals über sensationelle Vokalakrobaten verfügt haben. Fast in jeder Arie wird das Gesangspersonal durch einen eng gesteckten Slalom geschickt. Es gibt oszillierende Tongirlanden und Phrasen, die eine Atemtechnik nahe der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Markus Thiel und Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Nürnberg alaaf!

Endlich bekommt man die Beckmesser-Harfe einmal zu Gesicht! Dieses wie auf dürren Vogelbeinen stehende Zwerginstrument, das Richard Wagner erfand (oder erfinden ließ), um den gewünschten Fake-Klang für die Laute des Merkers zu erreichen: ein wenig kläglich, aber doch so, dass die Töne gut zu hören sind in einem großen Opernhaus. In Bonn bringt Beckmesser die Harfe...

Editorial Opernwelt 11/24

Das Bild ist unvergessen: Frühherbst 2005, Bundestagswahl, die berühmt-berüchtigte Elefantenrunde. Der strahlenden Siegerin Angela Merkel gegenüber sitzt jener Mann, der, vermutlich weil er seine Niederlage nicht so recht verwinden vermag, augenscheinlich schon einige Gläser Gerstensaft intus hat. Gerhard Schröder, an diesem Abend als Bundeskanzler abgewählt, lässt...

Personalien 11/24

 Nach einem Studium der Textiltechnologie in Taiwan kam Kii-Ming Lo 1980 nach Deutschland, um an der Universität Heidelberg Musikwissenschaften zu studieren. Ihre Promotion erfolgte 1989 unter der Betreuung durch Ludwig Finscher mit der Dis -sertation «Turandot auf der Opernbühne». Sie ging im Anschluss zurück nach Taipeh, um eine Professur für Musikwissenschaft an...