Göttliche Gabe, irdische Gewalt
Wenn Frauen Opern über Frauen inszenieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen es ganz anders oder sie erfüllen ihren Dienst am Regietheater noch radikaler als ihre männlichen Kollegen. Lydia Steier gehört zu Letzteren. Schlaflose Nächte habe sie seit der Premiere ihrer Inszenierung von Strauss’ «Salome» im Oktober 2022 an der Opéra Bastille verbracht, weil sie fürchtete, tout Paris halte sie für eine blutrünstige Perverse. In der Tat kamen sich manche Kritikerinnen und Kritiker vor wie in einem Tarantino-Film.
Aber ganz so dramatisch, wie im Interview mit dem Dramaturgen dargestellt, kann es um Steiers Schlaf nicht bestellt gewesen sein, sonst hätte sie ja ihr Negativbild mit der nächsten Produktion an der Bastille übermalen können. Wollte sie aber offensichtlich nicht. Immerhin setzt die Regisseurin in der dreiaktigen Tragédie lyrique «La Vestale» von Gaspare Spontini bildungsbürgerliche Lateinkenntnisse voraus. «Talis est ordo deorum», lesen wir mehrmals auf dem grauen Vorhang: So ist die göttliche Ordnung. Eine Anspielung auf Ciceros Schrift «De natura deorum»? Voltaire soll dieses philosophische, in Dialogform gegossene Werk sehr geschätzt haben. Jedenfalls steht ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Lotte Thealer
Eine Operette, die keine Adligen, keine reichen Bürgersleut’ in den Mittelpunkt stellt, sondern gewöhnliche Werktätige? Aber ja, die gibt es, Gerd Natschinski hat sie komponiert. Sein «Messeschlager Gisela» wurde 1960 am Metropol-Theater in Berlin uraufgeführt, dem heutigen Admiralspalast, und war in der DDR ein großer Hit – bis zum Mauerbau ein Jahr später. Danach...
Liebe Frau Baumgartner, können wir über Träume reden?
Ja, klar, auf jeden Fall.
Schön. Träumen Sie manchmal in Farbe?
Ich glaube, ich träume immer in Farbe. Ich habe Farben in meinen Träumen nie vermisst, das wäre mir aufgefallen; demnach müssen sie ja wohl vorhanden sein.
Vermissen Sie irgendwelche Farben?
Ich folge meist einem inneren Gefühl; das dockt irgendwo...
Selbst unter den Solitären der Operngeschichte ist Beethovens «Fidelio» ein einsames Werk geblieben. Mit den drei Fassungen (1805, 1806, 1814) nimmt es einen erratisch anmutenden Platz im Schaffen Beethovens ein und wird von der Forschung doch oder gerade deswegen vernachlässigt. So ist es ein Ereignis, wenn erstmals seit fast vierzig Jahren wieder eine Monographie...
