«Glück spielt eine große Rolle»
Etwas war anders als sonst. Und das lag nicht nur daran, dass in Robert Carsens bildmächtiger Amsterdamer Inszenierung die sonst übliche Reihenfolge der beiden Stücke geändert worden war: Leoncavallos «I Pagliacci» bildete hier den tragischen Unterbau für Mascagnis «Cavalleria rusticana». Nein, es war auch die Art und Weise, wie die Klänge in den Saal geworfen wurden in diesem Dramma in due atti.
Das Unwirsche, Rigorose des vivace, deciso zu Beginn der Oper erschien aufgeweicht, Initial und Gegenbild waren miteinander verwoben zu einem poetischen Klangbild, gleichsam als Antizipation des lyrisch gestimmten zweiten Themas in der parallelen Molltonart. Sanfter, ja beinahe schubertischer mutete der Prolog an, so, als wollten Dirigent und Orchester das Publikum behutsam hineinführen in die doppelbödige und deswegen umso fatalere Welt der Komödianten, und als sei ihr Ziel, die ganze Vulnerabilität der darin agierenden Personen schon vor deren erstem Auftreten zu vermitteln, zugleich aber auch die Möglichkeit der Liebe zu evozieren: Selten hatten die Violinen am Ende des siebten Taktes so sehnsüchtig gesungen in diesem largo sostenuto.
Zu danken war dies dem designierten Neuen. Noch ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Porträt, Seite 36
von Jürgen Otten
Manchmal ist weniger mehr. Die Opéra Comique ist nicht die Pariser Nationaloper, Messagers «Fortunio» (1907) nicht «Pelléas et Mélisande», kurz zuvor am gleichen Haus uraufgeführt. Und die Sänger, die auf der Bühne stehen, sind (noch) nicht jene, deren Konterfeis auf den Soloalben der Major-Labels prangen. Doch was für ein durch und durch befriedigender, ja...
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
Früher nannte man ein Theaterstück, das zur Weihnachtszeit für die «ganze Familie» in Szene gesetzt wurde, ein Weihnachtsmärchen. Diese Aufgabe erfüllt die am Aachener Theater uraufgeführte Oper «Der Zauberer von Oz» des Komponisten Anno Schreier spielend, und doch ist sie sehr viel mehr: ein kleines Stück Welttheater – für Kinder eine eingängige Zaubergeschichte,...
