Geht's auch schneller?
Schon seine erste Opernregie in Westeuropa hatte der Russe Kirill Serebrennikov an Berlins Komischer Oper realisiert – Olga Neuwirths spektakuläre «American Lulu» (siehe OW 11/2013). Im vergangenen Herbst dann kleidete der Theater- und Filmregisseur, Jahrgang 1969, in Stuttgart die Strauss-Oper «Salome» in Schockbilder einer kaputten Familie in kaputter Umwelt – inklusive einiger Terroristen-Videos (siehe OW 1/2016). Und jetzt das: Rossini, die Machenschaften der Opera Buffa – wieder an der Komischen Oper.
Dass Serebrennikov, der Kunst und Gesellschaft nur im Spannungsfeld extremer Herausforderungen denken kann, überhaupt zum «Barbiere di Siviglia» gelangte, musste schon als Vorabmeldung überraschen. Auf welche Weise er das Stück nun auf die Bühne brachte, verblüffte das Publikum vollends.
Die Buffa von vor 200 Jahren spielt hier emphatisch im 21. Jahrhundert: in der Gegenwart der digitalisierten Welt, der virtuellen Kommunikation. Kirill Serebrennikov, der gemeinsam mit Alexey Tregubov auch die Bühnenausstattung entwarf, hat eine veritable Internet-, Smartphone- und Twitter-Oper geschaffen. Von Anfang an haben der Graf Almaviva, Figaro und Rosina per WhatsApp und Facebook ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wolfgang Schreiber
Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen...
Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe. Von Gesangstechnik...
Pallas Athene hat noch immer allen Grund zu weinen. Denn dass die Welt aus den Fugen zu geraten droht, beweist auch die erneute Hausse des Populismus: Hass-Postings statt durchdachter Argumente; impulsives Massengeschrei statt individueller Vernunft. Als Ernst Krenek in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre an «Pallas Athene weint» schrieb, schien die braune...
