Freundlich, aber unerbittlich
Den «Parsifal» in Bayreuth zu dirigieren, ist nicht irgendein Engagement. Wagner hat das Stück speziell für den verdeckten Orchestergraben geschrieben und die ganz besondere Akustik des Festspielhauses. Die Aufführungsgeschichte ist voller Kontraste. Was Wagner für die Uraufführung 1882 mit dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi erarbeitete, wurde später vom Antisemiten Karl Muck substanziell verändert. In «Neubayreuth» setzte Pierre Boulez einen Kontrapunkt zur Weihestimmung des Hans Knappertsbusch. Die musikalischen Positionen lagen und liegen weit auseinander.
Doch als Pablo Heras-Casado 2023 in Bayreuth debütierte, waren sich alle einig: So muss «Parsifal» heute klingen. Er habe, sagt er im «Opernwelt»-Gespräch, kein Konzept, wenn er sich auf ein Stück einlasse: «Ich entdecke Farben, Dynamik und eigentlich überhaupt alles im engen Kontakt mit den Musikern. Es gibt Millionen von Zwischenstufen bei der Dynamik, das kann man nicht theoretisch oder vorab bestimmen. Es ergibt sich im Moment des gemeinsamen Musizierens.» Natürlich geht dem eine lange und intensive Beschäftigung mit der Partitur voraus. Aber Heras-Casado ist kein musikalischer Dogmatiker, sondern ein Meister der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 62
von Stephan Mösch
Salzburger Festspiele 2024, Premiere von Sergej Prokofjews Oper «Der Spieler». Peter Sellars inszeniert die pausenlosen zwei Stunden der Aufführung in der Felsenreitschule. Das heißt: extreme Breitwandbühne. Ziemlich kompliziert, dort glaubhafte Beziehungen zwischen den Figuren herzustellen. Was dann eben auch nicht passiert. Ein paar seltsame Ufos stehen und...
Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem...
Herr Lang, «Who the fuck is Dora?», lautete der Slogan in ganz Stuttgart. Wie ist es zu «Dora» und der Zusammenarbeit mit Frank Witzel gekommen?
Ich kannte Frank Witzel vorher nicht, er wurde mir von der Staatsoper Stuttgart als Librettist vorgeschlagen. Es gab also zuerst einmal eine Zeit des Kennenlernens und dann des Nachdenkens. Vor allem las ich mich einmal...
