Freiheit durch Überforderung
Als ob sie das Stück nicht gerade ein halbes Dutzend Mal gespielt hätten. Doch trotz ständiger Wiedervorlage auf der Tournee, beim Konzert im eigenen Haus und mit einem Schlager wie Tschaikowskys Fünfter, lässt Kirill Petrenko bis eine Viertelstunde vor Beginn nicht locker. Proben, feilen, verfeinern, egal, ob in den Foyers des Münchner Nationaltheaters die Besucher ungeduldig werden. Interpretation als Dressur? Als Ausschalten sämtlicher Zufälle und spontaner Eingebungen? «Er lässt schon noch Luft», sagt Geiger Guido Gärtner.
«Es ist wie bei einem, der eine große Eisenbahnlandschaft aufbaut mit allen nur erdenklichen Details.» Im Ernstfall Aufführung werde dann der Zug aufs Gleis gesetzt, auf dass einer am Trafo-Regler spielen könne. «Es handelt sich um eine Extremorganisation. Aber erst die ermöglicht uns Freiheit.»
Weit, sehr weit ist das Bayerische Staatsorchester damit gekommen. Zum sechsten Mal (und vierten Mal in Folge) «Orchester des Jahres». Und dabei zum wiederholten Male ohne Parallelpreis für den Generalmusikdirektor – auch das ist eine Aussage. Der Formschub der vergangenen Jahre ist natürlich Petrenko zu verdanken, darüber herrscht Einigkeit nicht nur im Ensemble. ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Dirigent und Orchester des Jahres, Seite 48
von Markus Thiel
Verwirrung der Gefühle. Auf Venedigs Stegen und Brücken folgt Gustav von Aschenbach Tadzio und seiner Familie auf dem Weg durch die labyrinthische Serenissima, schaut dem Jüngling mit den langen Beinen nach, dem er, über sich selbst verwundert, verfallen ist – jedenfalls in Demis Volpis Stuttgarter Inszenierung von Benjamin Brittens «Death in Venice». Matthias...
«Demis Volpi ist ein großartiger Theatermacher und feinfühliger Geschichtenerzähler. Hier, eher als in der Choreografie, sehe ich seine wahre Begabung.» So begründet Reid Anderson, Ballettintendant der Staatstheater Stuttgart, die Nichtverlängerung Ihres Vertrags als Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts. Das klingt, als wolle er Sie zur Oper fortloben ...
Man...
Vor 450 Jahren kam in Cremona jener Mann auf die Welt, der – so will es die Legende – die Oper erfunden hat: Claudio Monteverdi. Sein 1607 in Mantua geschriebener «L’Orfeo» gilt als Geburtsurkunde des musikalischen Theaters im neuzeitlichen Sinn. Mit «Ulisse» (1641) und «Poppea» (1642) habe er sich als konkurrenzloser Großmeister der jungen Gattung verewigt. Doch...
