Feuerstürme

Korngold: Die tote Stadt in Moskau

Opernwelt - Logo

In Moskau, wo Kriegszensur herrscht und es so gut wie unmöglich ist, glaubwürdige Nachrichten über den Krieg in der Ukraine zu erhalten, gilt es derzeit als gefährlich, ein nur «sehr gut gemachtes» Stück zu zeigen. Denn das Publikum will die reine Wahrheit sehen, und sei sie noch so grausam. Die Inszenierung von Korngolds Oper «Die tote Stadt» durch Vassily Barkhatov, der fast zehn Jahre nicht in Russland gearbeitet hat, ist genau das: sehr gut gemacht.

Das gilt für das detailliert durchdachte, auf zwei Ebenen verteilte Bühnenbild von Zinovy Margolin ebenso wie für die fabelhaft mit den einzelnen Charakteren korrelierenden Kostüme Olga Shaishmelashvilis und das präzis-stimmungsvolle Licht von Alexander Sivayev. 

Barkhatovs Lesart des Stücks gründet auf einen simplen Theatertrick: Pauls Ehefrau Marie lebt noch. Das Ehepaar befindet sich mitten im Scheidungsprozess, und der verwundeten Psyche des cholerischen «Helden» will es einfach nicht gelingen, zwischen der wohlanständigen Ehefrau und seiner neuen Bekannten, der leichtfertigen Tänzerin Marietta, zu wählen. Marie erscheint in den unerwartetsten Momenten, mal mit Gesang, mal ohne, und mit diesem Verhalten verwirrt sie ihren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Über alle Ufer

Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind...

Mutige Rebellin

Ein Wortspiel mit dem französischen Ausdruck für «Rebellin» findet sich auf dem Cover eines neuen Albums der Sopranistin Josefine Göhmann und des Pianisten Mario Häring: «réBelles!». Göhmann kommentiert: «Sich in dieser Welt selbst zu finden und zu definieren, ist unglaublich komplex geworden. Für uns Frauen ist es sehr schwierig, obwohl wir mehr als 100 Jahre...

«Lassen Sie uns naiv sein»

Herr Serebrennikov, das Theater St. Gallen hat die für Mai geplante Neuproduktion von Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans» storniert und sie durch Verdis «Giovanna d’Arco» ersetzt – mit der Begründung, die kriegerischen Ereignisse ließen eine Aufführung der (musikdramaturgisch gelungeneren) Tschaikowsky-Adaption nicht zu. Beide Stücke basieren exakt auf dem...