Feuerstürme
In Moskau, wo Kriegszensur herrscht und es so gut wie unmöglich ist, glaubwürdige Nachrichten über den Krieg in der Ukraine zu erhalten, gilt es derzeit als gefährlich, ein nur «sehr gut gemachtes» Stück zu zeigen. Denn das Publikum will die reine Wahrheit sehen, und sei sie noch so grausam. Die Inszenierung von Korngolds Oper «Die tote Stadt» durch Vassily Barkhatov, der fast zehn Jahre nicht in Russland gearbeitet hat, ist genau das: sehr gut gemacht.
Das gilt für das detailliert durchdachte, auf zwei Ebenen verteilte Bühnenbild von Zinovy Margolin ebenso wie für die fabelhaft mit den einzelnen Charakteren korrelierenden Kostüme Olga Shaishmelashvilis und das präzis-stimmungsvolle Licht von Alexander Sivayev.
Barkhatovs Lesart des Stücks gründet auf einen simplen Theatertrick: Pauls Ehefrau Marie lebt noch. Das Ehepaar befindet sich mitten im Scheidungsprozess, und der verwundeten Psyche des cholerischen «Helden» will es einfach nicht gelingen, zwischen der wohlanständigen Ehefrau und seiner neuen Bekannten, der leichtfertigen Tänzerin Marietta, zu wählen. Marie erscheint in den unerwartetsten Momenten, mal mit Gesang, mal ohne, und mit diesem Verhalten verwirrt sie ihren ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexej Parin
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