Fenster ins Innerste der menschlichen Seele

Mieczyslaw Weinbergs «Passagierin» auf DVD

Opernwelt - Logo

Sechs Töne sind es, die Lisa auf dem weißen Sonnendeck bedrängen. Ein kurzes, schlichtes Motiv in Quart-, Terz- und Sekundschritten. Nichts Besonderes eigentlich. Und doch brennt sich sofort ein, was Oboe und Fagott da pianissimo und staccato in die Tanztee-Idylle an Bord des Dampfers blasen, der Lisa und Walter nach Brasilien bringen soll. Die ehemalige Auschwitz-Aufseherin und den westdeutschen Karrierediplomaten. Die nichts mehr wissen wollen von dem, was war. Und nun in Foxtrott- und Swing-Laune Europa «Adieu» sagen, um in der Ferne neu anzufangen.

Doch die Dämonen der Vergangenheit werden sie nicht los. Immer wieder durchkreuzt dieses Sechstonmotiv das flüchtige Glück, in allen möglichen Varianten, unerbittlich. Die Ohnmacht, das Klagen, das unterdrückte Schreien der Opfer klingen an. Und die Stimme Marthas, jener polnischen Gefangenen aus dem Lager, die Lisa unter den Reisenden wiederzuerkennen glaubt.

Komponieren, das war für den vor Hitlers Armeen aus Warschau nach Moskau geflohenen Juden Mieczyslaw Weinberg vor allem Trauerarbeit. Niemand hat mit musikalischen Mitteln so poetisch und so persönlich von den Schrecken des 20. Jahrhunderts erzählt wie er. Nicht einmal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 38
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Oper 2011/2012

Deutschland


Aachen
Theater Aachen
GENERALINTENDANT UND GESCHÄFTSFÜHRER:
Michael Schmitz-Aufterbeck
GENERALMUSIKDIREKTOR: Marcus R. Bosch
VERWALTUNGSDIREKTOR UND GESCHÄFTSFÜHRER: Udo Rüber
SEKRETARIAT DER GESCHÄFTSFÜHRUNG: Doris Hautermann,
Tatjana Trunsperger
CHEFREGISSEUR UND STELLV. DES GENERALINTENDANTEN IN KÜNSTLERISCHEN FRAGEN: Ludger Engels
KÜNSTLERISCHE...

Wer kann, der kann

Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche...

Sänger des Jahres

Er ist seit 24 Jahren im festen Engagement. Trotzdem hat ihn der Theateralltag weder mit Zynismus noch mit Hochmut gegerbt.

Johannes Martin Kränzle kann noch immer sonnig lächeln. Er kann an Inhalte und Figuren glauben – und an die sinnliche Kraft der Musik. Er ist bescheiden geblieben. Ein Ausnahmesänger schon deshalb, weil er seine Stimme über so lange Zeit und...