Farbenfroh, aber funkenlos

Donizetti: Les Martyrs im Musiktheater an der Wien

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Zugegeben: Unterhaltungswert hat dieser forcierte Frohsinn schon auch. Die Römer als muntere queere Gesellschaft, die sich in Science-Fiction-Trash in Rosa, Rot und Orange suhlt und das Ballett als glamouröses LGBTQIA+-Musical aufführt; die Christen als bodypositive FKK-Sekte von Mutanten ohne Geschlechtsteile, denen dafür zusätzliche Gliedmaßen vom Rücken baumeln. Was dieses Setting jedoch jenseits der schrägen Show aussagen soll, bleibt nebulös.

Klischeehafte Kritik an schwuler Dekadenz und entsexualisiertem Christentum? Beim Jupiter, im Ernst? Auch die Kombination mit dem armenischen Genozid wirkt geradezu an Weltraummonstertentakeln herbeigezogen. Drei Zeitebenen vermischen sich nämlich in dieser an sich löblichen Produktion von Gaetano Donizettis «Les Martyrs»: Das Libretto dieser Grand Opéra spielt im Jahr 259, als der Heilige Polyeuktos von Melitene in der römischen Provinz Armenien seines Glaubens wegen enthauptet wurde. Regisseur Cezary Tomaszewski und Ausstatterin Alexandra Wasilkowska verquicken das jedoch mit dem Jahr 3389, einer fernen Zukunft also, in der, so ihre These, die Menschheit endlich via Belcanto kommuniziert, und zugleich mit 1915, der Zeit des Völkermordes ...

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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Walter Weidringer

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