Farben ohne Form
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das Libretto sechsmal gelesen haben, ehe er verstand, was vorgeht. «Das Stück», so Verdi, «ist düster, weil es düster sein muss, aber es ist fesselnd.
» Um diesen fesselnden Kern freizulegen, bedarf es nicht nur überzeugender Sängerdarsteller, sondern vor allem eines Dirigenten, der das musikalische Drama erfasst und gestaltet.
Und daran hapert es bei der neuesten, aus dem litauischen Kaunas kommenden Gesamtaufnahme. Zwar spielt das dortige Städtische Sinfonieorchester durchaus kompetent – vor allem die Soli von Oboe und Klarinette ragen heraus –, wird von seinem amerikanischen Chefdirigenten Constantine Orbelian aber allzu rigide auf eine begleitende Funktion reduziert. Selbst ein dramatischer Höhepunkt wie die große Ratsszene mit der abschließenden Selbstverfluchung des Intriganten Paolo verpufft. An die Genauigkeit, ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Ob Gott tot ist? Zumindest gibt es hübsche Einspielungen aus seiner Heimat. Kantabel ausgebreitete Fragen («T’è noto Faust?») nebst Himmels-chören, von seinem gefallenen Engel immer wieder gern abgespielt, mutmaßlich zur häretischen Ergötzung. Das Grammophon nutzt Mefistofele dafür, hier, in seiner schwarzschwülen Hölle. Dass er darauf eine Vinyl- statt der...
Erst eine vorlaute Sängerin, dann eine stimmlose: Für die Dirigentin Anja Bihlmaier, die zum Beginn dieser Spielzeit von Hannover nach Kassel wechselte, um dort Erste Kapellmeisterin und stellvertretende Generalmusikdirektorin zu werden, begannen die Abschiedswochen in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein wenig turbulent. Da musste sie in der Zeitung lesen,...
Die witzig verspielte Inszenierung von Richard Strauss’«Ariadne auf Naxos», die der deutsche Regisseur Aron Stiehl 2013 im Theater St. Gallen vorgestellt hat, ist in bester Erinnerung. Seine jüngste Arbeit in diesem Haus, sie gilt Giuseppe Verdis «Macbeth» in der auf Italienisch gegebenen Pariser Fassung von 1865, hält diese Höhe nicht; vor allem in der...
