Ewig jung
Den «Herrlichsten von allen» hätte sie schon gern an ihrer Seite. Aber blinde Schwärmerei? Bedingungslose Hingabe? Vielleicht doch erst mal abwarten. Eine kleine, subtile Doppelbödigkeit klingt mit, wenn Edith Mathis dieses Lied von Robert Schumann gestaltet. Das ist kein singendes Ich, das sich sofort heranschmeißt oder die Realität vergisst. Auch weil später Großes, Dunkles geahnt wird. Der «Ring an meinem Finger»: Eine ganze Welt scheint plötzlich daran zu hängen.
Und der «erste Schmerz», der könnte auch der letzte sein, so todesweh lässt sie das finale Lied versickern – zumal ihr Christoph Eschenbach am Flügel dafür alle Zeit der Welt lässt.
«Frauenliebe und -leben» ist nicht nur eine der schönsten Aufnahmen von Edith Mathis, diese Einspielung hat Referenzcharakter. Schumanns Vieldeutigkeit, sein in unterschiedliche emotionale Richtungen strebendes Melos, die doppelbödige Introspektion, all das sieht sich hier mit entwaffnender Selbstverständlichkeit erfühlt und erfüllt. Vielleicht liegt gerade darin die hohe Kunst der Mathis: alles völlig natürlich klingen zu lassen, so, als könne es nur so sein und nicht anders. Viel Reflexion steckt in diesen Interpretationen, doch keine ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: In Erinnerung, Seite 60
von Markus Thiel
Eine todbringende Gesellschaft ist das, aber lustig anzusehen. Besondere Erheiterung schaffen jene beiden Pferde, welche die Omnibus-Kutsche, eine Vorform des öffentlichen Verkehrs, auf die Bühne ziehen. Die Pferde – nun, es sind keine Pferde, sondern Theatertiere, gespielt von Statisten, die ihre Wartezeiten in eher gekrümmter Körperhaltung und mit gewiss nicht...
Die Herren, wiewohl Landsleute und beide mit reichlich Geist gesegnet, waren uneins. Während Samuel Pepys, dessen Tagebücher aus den Jahren 1660 bis 1669 eine noch heute stetig sprudelnde Quelle der Inspiration bilden, Shakespeares Schauspiel «A Midsummer Night’s Dream» mit einem Federstrich abkanzelte («Es ist das albernste und geschmackloseste Stück, das ich je...
Hier stimmt einfach jedes Detail. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass dieses Libretto vor mehr als 300 Jahren entstand und nicht erst vor ein paar Monaten. Vincenzo Grimani schrieb es, überaus frei im Umgang mit der römischen Geschichtsschreibung. «Agrippina», Händels erster großer Bühnenerfolg, wird in Zürich zu einem aufregenden, absolut heutigen Abend, bei dem...
