Etwas fehlt
Etwas fehlt. Paul Ackermann, Holzfäller aus Alaska, schreit diese Erkenntnis in die Welt. Trotz Frauen, Partys und Konsumgütern bleibt das Glück Utopie. In «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» wollten Weill und Brecht zeigen, wohin kapitalistische Gier den Menschen treibt. Drei Gauner gründen ein vermeintliches Vergnügungsparadies, dessen einziger Sinn darin besteht, Besuchern das Geld abzuknöpfen. Im Angesicht des Todes wird die ohnehin brüchige Moral abgeschafft, Ackermann ruft die Anarchie aus.
Die Situation eskaliert, Menschen sterben, bis am Ende Mahagonny im Chaos versinkt und die Ganoven weiterziehen.
Regisseur Jan Peter, als Filmemacher bekannt, lässt die Handlung bei seinem Operndebüt im Ruhrgebiet der Nachkriegszeit spielen. Auf einer Leinwand laufen historische Aufnahmen: Amerikanische Panzer rollen durch das zerstörte Gelsenkirchen. In Gestalt ärmlicher Trümmerfrauen tritt der Damenchor auf. Das letzte Hab und Gut wird im Ofen am Bühnenrand verbrannt, in Mahagonny ist kein Platz für trübe Erinnerungen. Als Kumpeltruppe krabbelt der Männerchor aus der Tiefe, tauscht Helm und Stirnlampe gegen Hemd und Frack im 1960er-Jahre-Look (Kostüme: Anna Maria Münzner), versorgt ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Thilo Braun
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
Alban Berg würde sich wundern. Und vielleicht sogar zustimmen. Denn was Detlef Heusinger aus dem fragmentarisch überlieferten Material des dritten «Lulu»-Aktes gemacht hat, ist – wie die jetzt am Bremer Theater erfolgte Uraufführung dieser Fassung zeigte – eine höchst beachtenswerte, ebenso fantasievolle wie punktgenau durchdachte Alternative zu Friedrich Cerhas...
Es war ein mutiger, gewiss auch überambitionierter, weil szenisch nicht bewältigter Abend, an dem sich Demis Volpi in Saarbrücken mit dem finstersten aller griechischen Mythen auseinandersetzte – mit Medea, die zugleich Liebende und Rächende, Opfer und Täterin ist. Multiperspektivisch, aber unverbunden nebeneinandergestellt, konfrontiert er den...
