Ertüchtigung
Der Schwarzwaldfluss Enz, bei Wildbad noch eher ein Gebirgsbach, durchfließt nicht nur romantische Wälder und Auen, sondern säumt auch heftige Industrielandschaft. Diese konzentriert sich vor allem in Pforzheim, der traditionellen «Goldstadt», deren Reichtum heute wohl «Arbeit» heißt. Dieser Reichtum korrespondiert mit der Armut an altehrwürdiger Bausubstanz, die im Kontext einer unberaten-wildwüchsigen Moderne (Stichwort «autogerechte Innenstadt») 100-jährige Mietskasernenfassaden hier schon zu schönen Antiquitäten nobilitiert.
Der schmucke Theaterneubau nahe der Enz gehört jedoch zu den geglücktesten seiner Art in Deutschland, und was hier in der Intendanz des gestandenen Opernszenikers Thomas Münstermann gespielt wird, kann sich sehen und hören lassen. In dieser Spielzeit etwa Kurt Weills «Silbersee» aus dem Jahre 1933, zu dem sich Regisseur Münstermann etwas Besonderes ausgedacht hat, was auch weitere Produktionen betrifft – einen aus den Besucherreihen formierten Bewegungschor, der die singenden professionellen Kollektive, in Blaumännern und mit langen, zu dekorativ bühnenfüllenden Mustern gebrachten Stangen bewaffnet, wirkungsvoll ergänzt. Eine sinnvoll «interaktive» ...
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Aus der Bühnenschwärze heraus blinken tausende farbige Lichter. Eine Frau im Glitzeranzug tritt durch die zwei spitz zulaufenden LED-Wände. Sie bedient Computer; grüne Zahlenkolonnen hetzen über die Monitore. Sie ist die Herrin über die Algorithmen, über die Daten der Menschen.
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Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
Schon als Kind stand er auf der Bühne. Und schon als Teenager war ihm klar, dass er Sänger werden wollte. Anfangs dachte Michael Spyres, er sei Bariton. Der Wechsel ins Tenorfach zog sich über Jahre, doch er schaffte ihn fast im Alleingang. Learning by doing – das ist bis heute die Maxime des Generalisten aus Missouri geblieben, der sich in keine Schublade zwängen...
