Erfundene Wirklichkeiten
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das von Verdi verwendete Wort «il Vero» auch das «Wirkliche», also die Realität bedeuten kann.
Die Ambivalenz zwischen dem Wahren und dem Wirklichen führt dennoch – ganz im Sinne seines großen künstlerischen Vorbilds Alessandro Manzoni und dessen Roman «I promessi sposi» – genau ins Zentrum des ästhetischen Kalküls, dem Verdis Musiktheater folgt, das (anders als das Wagners) nicht auf mythischen, sondern auf historischen und literarischen Stoffen beruht. Das fordert ihre Aktualisierung auf dem Theater geradezu heraus, macht den Umgang mit dem politischen Gehalt seiner Opern aber ungleich schwieriger als im Falle Wagners, bei dem jede reale szenische Konkretisierung des Mythos greift, wenn sie nur kontingent strukturiert ist.
Verdis «I masnadieri» nach Schiller entstand zur selben Zeit wie «Macbeth». Allein schon die Nähe zum ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
Erfolgreiche Wiederbelebungen barocker Opern haben in Glyndebourne Tradition: zunächst mit Werken von Cavalli und Monteverdi in den 1960er- und 1970er-Jahren, ab Mitte der Neunzigerjahre dann mit Händel- und zuletzt mit Purcell-Opern. Auch in diesem Jahr setzte die Festival-Leitung diese programmatische Linie fort und wartete zum ersten Mal mit einer Oper von...
Im nicht-britischen Ausland hatte man noch vor 25 Jahren das «Modell Glyndebourne» als rundweg exzentrisch beäugt: Picknick in den Gartenanlagen, festliche Abendgarderobe im 30er-Jahre-Stil. Die meist gut betuchten Opernenthusiasten auf der Insel begeistert dieses Ambiente, und es gibt zahlreiche Nachahmer. Dazu zählt auch die Grange Park Opera.
Lord Ashbury hatte...
Herr Pisaroni, Ihre Popularität in Deutschland ist nicht so hoch wie die von Ildebrando d’Arcangelo oder Erwin Schrott. Braucht man immer noch CDs, um berühmt zu werden?
Sieht fast so aus. Jonas Kaufmann hat mir einmal gesagt: «Mich gibt es doch schon so viele Jahre! Jetzt plötzlich erst geht es los.» Das lag an seinen CDs, mit denen er spät angefangen hat. Dass ich...
