Erfundene Wirklichkeiten

Seltener Verdi: «I masnadieri» in Essen, «Les Vêpres siciliennes» in Frankfurt, «Macbeth» in Mainz

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Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Kom­ponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das von Verdi verwendete Wort «il Vero» auch das «Wirkliche», also die Realität bedeuten kann.

Die Ambivalenz zwischen dem Wahren und dem Wirklichen führt dennoch – ganz im Sinne seines großen künstlerischen Vorbilds Alessandro Manzoni und dessen Roman «I promessi sposi» – genau ins Zentrum des ästhetischen Kalküls, dem Verdis Musiktheater folgt, das (anders als das Wagners) nicht auf mythischen, sondern auf historischen und literarischen Stoffen beruht. Das fordert ihre Aktualisierung auf dem Theater geradezu heraus, macht den Umgang mit dem politischen Gehalt seiner Opern aber ungleich schwieriger als im Falle Wagners, bei dem jede reale szenische Konkretisierung des Mythos greift, wenn sie nur kontingent strukturiert ist.

Verdis «I masnadieri» nach Schiller entstand zur selben Zeit wie «Macbeth». Allein schon die Nähe zum ...

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Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert

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