Erfundene Wirklichkeiten
Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Komponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das von Verdi verwendete Wort «il Vero» auch das «Wirkliche», also die Realität bedeuten kann.
Die Ambivalenz zwischen dem Wahren und dem Wirklichen führt dennoch – ganz im Sinne seines großen künstlerischen Vorbilds Alessandro Manzoni und dessen Roman «I promessi sposi» – genau ins Zentrum des ästhetischen Kalküls, dem Verdis Musiktheater folgt, das (anders als das Wagners) nicht auf mythischen, sondern auf historischen und literarischen Stoffen beruht. Das fordert ihre Aktualisierung auf dem Theater geradezu heraus, macht den Umgang mit dem politischen Gehalt seiner Opern aber ungleich schwieriger als im Falle Wagners, bei dem jede reale szenische Konkretisierung des Mythos greift, wenn sie nur kontingent strukturiert ist.
Verdis «I masnadieri» nach Schiller entstand zur selben Zeit wie «Macbeth». Allein schon die Nähe zum ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
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In Sachsen-Anhalt hat Kultusminister Stephan Dorgerloh kürzlich die neuen Theater- und Orchesterverträge vorgestellt, die ab 2014 gelten sollen. Gute Nachrichten hatte er nicht: Die Förderung des Landes wird ordentlich zurechtgestutzt, sinkt von derzeit 36 Millionen auf 29 Millionen Euro.
Was heißt das konkret? Verteilt wird nach Einwohnerzahl, den Maßstab setzt...
arte
2.8. – 5.10 Uhr
Max Emanuel Cencic
singt Vivaldi und Caldara. Il Pomo d’Oro, Riccardo Minasi.
4.8. – 12.25 Uhr (1)
21.8. – 6.00 Uhr (1)
11.8. – 12.30 Uhr (2)
23.8. – 6.00 Uhr (2)
18.8. – 12.30 Uhr (3)
22.8. – 6.00 Uhr (3)
25.8. – 12.40 Uhr (4)
Wagner versus Verdi.
Dokumentation. 1. Die Revolutionäre. Film von Pepe Pippig. 2. Verdis Welt. Film von Anna Schmidt. 3. Die...
