Endstation Sehnsucht
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta Valéry pur, unverstellt – so, wie sie ist. Doch dann wird eine Folie vor den zentralen Scheinwerfer geschoben. Auf Knopfdruck ergießt sich pinkfarbenes Partylicht über die Bühne.
Violetta inszeniert sich als Königin einer schillernden Ballgesellschaft im lavendelfarbenen Rüschenkleid. Erste Anzeichen von Krankheit und Verfall werden konsequent herausgefiltert.
Das Licht spielt die Hauptrolle an diesem Theaterabend. Die Bühne besteht nur aus einem Podest, über das (mitunter) ein pinkfarbener Teppich ausgerollt wird. Darauf das Lichtpult – sonst nichts. Die Kulisse wird von den Darstellern selbst geformt. Der Opernchor glänzt in farbprächtigen, aus originellen Einzelstücken zusammengefügten Kostümen (Sietske Van Aerde, Lena Mariën) die an die Bilderwelt von Otto Dix erinnern, als lebendige Kulisse. Der Regisseur Tom ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Silvia Adler
Giuseppe Verdis «Aida» gilt als Festtagsstück selbst noch unter den großen Extrachor- und Extra-Bläser-Opern. Das hat sie vor die Pyramiden von Gizeh gebracht und bringt sie alljährlich in die Arena von Verona und ohnehin auf Freilichtbühnen aller Art, sofern der Platz und die musikalischen Kräfte reichen. Vor diesem Hintergrund ist es ganz solide, dass sie auch...
Das höchste Lob für Irmgard Seefried stammte aus dem Mund von Elisabeth Schwarzkopf: «Wir alle beneideten sie, dass alles, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand es, mit dem Herzen zu singen.» Kühle Perfektion, Schönheit als Selbstzweck waren nie ihre Sache. Ein Star wollte sie nicht sein. Seefried...
Die Kinderstube von Prinz und Prinzessin verrät den Parvenü-Zaren. Statt pädagogisch hochwertigem Holzspielzeug sieht man einen Haufen inflationäres Plastik. Einzelstücke zieren sonst die Kinderzimmer eher bildungsferner Schichten. Die maßlose Häufung im Kreml weist den «Herrscher aller Reußen» als sozialen Aufsteiger und Neureichen von zudem zweifelhafter...
