Ein Meisterwerk
Die Einleitung erinnert unüberhörbar an das zweite Bild von «La Bohème», an die rauschende Fröhlichkeit von Heiligabend in den Straßen des Quartier Latin. In «La rondine», dem Spätwerk Giacomo Puccinis, ist es fürs Erste jedoch bald vorbei mit der Ausgelassenheit. Gehört die Bühne einer jungen Frau, die von der großen, wahren Liebe träumt. Es ist Magda de Civry, die von dem begüterten Rambaldo aus -gehalten wird, jedoch dringend aus dem goldenen Käfig ausbrechen möchte. Und es ist Ermonela Jaho, die mit ihrer Kunst auf Anhieb in Bann schlägt.
Mühelos steigt sie in höchste Höhen, in hauchzartem Pianissimo verharrt sie auf der emotional so aufgeladenen Terzlage, dazu bebt sie am ganzen Körper – in restloser Identifikation mit dem Moment. Kein Wunder, dass Rambaldos Gäste fassungslos zuhören, allerdings jeder von ihnen auf seine eigene Weise – denn am Regiepult saß Christof Loy, der wie kaum jemand die Kunst beherrscht, aus Sängern Schauspieler werden zu lassen und auch in kleinen Rollen ausgeprägte Charaktere zu schaffen. Die Lust im großen, durchwegs ausgezeichneten Ensemble ist nicht zu verkennen.
So blicken wir denn, wenn sich im Opernhaus Zürich der rote Theatervorhang gehoben ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Peter Hagmann
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
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Zwei Frauen. Wenig scheint sie zu einen, zu grundverschieden sind ihr Charakter, ihre soziale Stellung auf den ersten Blick. Hier die stolze trojanische Königstochter, Schwester (unter anderem) des Helden Hektor und des Schönlings Paris, welcher Apollon die seltene Gabe der Weissagung schenkte, sie aber, nachdem Kassandra sein erotisches Begehren brüsk abgewiesen...
