Ein großer Abend

Monteverdi: L’incoronazione di Poppea STRASBOURG | OPÉRA NATIONAL DU RHIN

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Das «erste richtige Liebesduett der Operngeschichte» nennt Ulrich Schreiber den betörenden Schlussgesang in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea». Und ja, in diesem Duett ereignet sich Ungeheures; auf dem Fundament eines ostinaten, abschreitenden Lamentos besingt das Liebespaar in hehrer melodischer Schönheit sein Glück. Liebespaar? Genau daran hegt Evgeny Titov in seiner Neuinszenierung an der elsässischen Opéra national du Rhin – einer Gemeinschaftsproduktion mit der Oper Graz – seine Zweifel. Die musikalische Faktur gibt ihm in ihrem Auseinanderdriften recht.

Und so bewegen sich auch Poppea und Nerone zusehends voneinander weg. Er bleibt unten, sie, im weißen Hochzeitskleid (Kostüme: Emma Ryott), steigt die Treppe empor, die das zylinderartige Gebäude auf der Drehbühne umgibt. Die Symbole lassen keinen Zweifel zu: Poppeas Hände sind blutrot, und den Weg flankieren all jene Leichen, über die das Paar gegangen ist ... 

Es gibt keine Liebe in diesem Stück, auch nicht bei Amor, der seinen Sieg im Prolog verkündet (ideal im Zusammenklang: die drei Göttinnen des Schicksals, der Tugend und der Liebe, Rachel Redmond, Julie Roset und Marielou Jacquard). In der sich um die eigene Achse ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexander Dick

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