Editorial Opernwelt 2/24
Georg Friedrich Wilhelm Hegel war ein unverbesserlicher Optimist, sah er doch in der Entwicklung der Geschichte eine Entwicklung hin zu Freiheit und Vernunft. Allein ein flüchtiger Blick ins Heute hätte ihn vermutlich eines Besseren belehrt: Mag sich die Menschheit auf dem technologischen Vormarsch befinden (wiewohl in eine mehr als ungewisse Zukunft), so steht es um die Ideale von Freiheit und Vernunft nicht eben zum Besten.
Defizitäre Erfahrungen aller Arten dominieren die Spätmoderne, und es ist gewiss kein Zufall, dass Andreas Reckwitz in seiner kürzlich erschienenen «Verlust»-Studie auf Hegels Hoffnung rekurriert, um in seiner Analyse zu dem Ergebnis zu gelangen, die philosophische Utopie könne sich womöglich als vergeblich erweisen, weil sie im Widerspruch zur Wirklichkeit steht. «Diese Gesellschaft», so Reckwitz, «basiert auf einem grundlegenden Widerspruch, der sich zwischen ihrem radikalen Fortschrittsglauben und der Realität von Verlusterfahrungen auftut. Zugleich wirkt in ihr eine basale Verlustparadoxie, die sich daraus ergibt, dass sie einerseits unsichtbar gemacht und andererseits intensiviert bearbeitet werden».
Betrachtet man die Spardebatten der vergangenen ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
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