Editorial Juli 2018
Das Lamento ist beinahe so alt wie die Kunstform selbst. Die Oper, heißt es, sei auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Verstaubt, verzopft, verkrustet, zu sehr dem Kanon weniger Werke verhaftet. Diese Diagnose stellt neuerlich auch der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel in dem gemeinsam mit David Roesner herausgegebenen Buch «Gegenwart und Zukunft des Musiktheaters» (Transcript Verlag). Die Kritik richtet sich dezidiert gegen die bundesdeutschen Staats- und Stadttheater.
Die dort gepflegte Opernkultur biete «im Übermaß Beispiele für die Wirkungsmacht einer auf große und stabile Lösungen fixierten Repräsentationskultur», kurzum: einer Kultur der «Mutlosigkeit und Repertoireenge».
An der These mag etwas dran sein. Doch als allgemeingültiger Befund ist sie kaum belastbar. Weil sie bei Sichtung der Spielpläne den Fokus allein auf das – nicht zuletzt für die Kasse notwendige – Kernrepertoire legt. Natürlich stimmt es, dass Spielpläne manchmal vor allem mit dem Ziel aufgestellt werden, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen – und die garantieren nun mal eher prominente Sängernamen und hinlänglich populäre Werke als Uraufführungen oder Ausgrabungen. Ja, der Kanon ist ...
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Das umfangreiche Œuvre von Louis Andriessen, dem 79-jährigen Doyen der niederländischen Avantgarde, ist hierzulande kaum bekannt. 2014 präsentierte Heiner Goebbels «De Materie», eines seiner Hauptwerke, bei der Ruhrtriennale – keine Oper, sondern ein spröder, didaktisch überfrachteter theatraler Essay über das Verhältnis von Materie und Geist, Gesellschaft und...
Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung...
Das Theater Hagen gehört zu den am stärksten abwicklungsbedrohten Kulturinstitutionen in den alten Bundesländern. Das ist nichts Neues für das 1911 eröffnete Haus: Seit Jahrzehnten sieht es sich Fusionsversuchen und finanziellen Kürzungen ausgesetzt. Schon der bis 2017 amtierende Intendant Norbert Hilchenbach hatte angesichts der klammen Kassen der Kommune...
