Diskurstheater
Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung tief in den Pyrenäen. Die Sonne geht unter. Die Dunkelheit legt sich langsam über die Wälder.
» Warum selbst neu erfinden, was die Meister vor ihm letztgültig imaginativ ersonnen haben?
Nach seiner Intendantenära an der Hamburgischen Staatsoper, während der er sich die eigene künstlerische Präsenz konsequent klug versagte, ist Ruzicka nun als dirigierender Komponist an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und er verbeugt sich dabei vor den Vätern – deutlicher, avantgardeabstinenter denn je zuvor. Wir vernehmen Anklänge aus «Salome» von Richard Strauss, Orffs «Carmina Burana», «Turandot» von Puccini sowie, ganz unverschleiert und in der Partitur explizit gekennzeichnet, Henri Duparcs Lied «l’invitation au voyage». Angst vor dem Gespenst des Eklektizismus hat Ruzicka ebensowenig wie Skrupel, als Intellektueller ein ...
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Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
JUBILARE
Mario Venzago wurde in Zürich geboren. Schon als Fünfjähriger erhielt er Klavierunterricht und studierte später an der Universität und Musikhochschule seiner Heimatstadt, wo er Dirigierschüler von Erich Schmid war, dem Vorgänger Simon Rattles als Chefdirigent in Birmingham. Venzagos berufliche Laufbahn begann als Konzertpianist, es folgte ein festes...
Die Wiederentdeckung der Grand Opéra und ihres wichtigsten Vertreters Giacomo Meyerbeer auf der Opernbühne geht voran. Da konnte es nicht ausbleiben, dass mit Gaspare Spontini auch einer seiner Wegbereiter in den Fokus des Interesses gerät. Der gebürtige Italiener und naturalisierte Franzose war, als Hofkomponist Napoleons und langjähriger Berliner...
