Editorial Dezember 2011

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Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.

Eines bedingt das andere. Und beides braucht Konstanz, um sich entfalten zu können. Andererseits gehört das Spiel mit verschiedenen Identitäten zum Beruf wie das hohe C zum Belcanto. Man kann dieses Spiel als Flucht vor dem Ich, vor dem Eigenen betreiben.

Man kann dieses Ich, das Eigene (oder ein Stück davon) aber auch im Anderen, im Fremden suchen – und manchmal sogar finden. In der Kunst wie im Leben.

Das liest sich wie eine gefährlich abstrakte Einleitung, hat aber viel und konkret mit den Beiträgen dieses Heftes zu tun. Zum Beispiel mit den Recitals, die im Medienteil besprochen werden. Angela Gheorghiu bringt ihr erstes CD-Recital seit acht Jahren heraus – und inszeniert sich, kaum zu glauben, als Erbin von Maria Callas, ja, als deren Reinkarnation. Im Booklet: Fotoposen, die die Callas und ihre Aura imitieren sollen. Peinlicher geht’s kaum. Vor allem: Wo bei der ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

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