Dirigententriumph

Verdi: I due Foscari
Bonn | Oper

Opernwelt - Logo

Schon die ersten Takte vibrieren vor Energie. Das Pianissimo ist derart mit Spannung aufgeladen, dass es fast zu platzen scheint. Wer die frühen Verdi-Opern so dirigiert, erhebt sie in den Rang von Meisterwerken. Was Will Humburg mit dem Beethoven Orchester allein an psychologischer Feinzeichnung leistet, überwältigt. Die erste Szene des zweiten Akts von «I due Foscari» in Bonn ist pure Kammermusik. Da sitzt jeder Ton.

Das Stück hat dieses musikalische Niveau auch nötig. Denn die Handlung, die Francesco Maria Piave nach einem Drama von George Byron zusammenzimmerte, ist überschaubar.

Und die Oper überdies sehr kurz – manche dramaturgisch überflüssige Szene wirkt so, als sei sie noch schnell hinzukomponiert worden, um das Publikum auf den Sitzen zu halten.

Regisseur Philipp Kochheim begreift die Geschichte um politische Intrigen und Machtkämpfe in Venedig als Politthriller von heute. Der alte Doge Francesco Foscari – fulminant gesungen von Bariton-Veteran Lucio Gallo – kommt mit der neuen Technik nicht mehr mit, wird kontrolliert. Foscari ist längst zur Marionette geworden, die Strippen ziehen die machtgierigen Jungen; allen voran Loredano instrumentalisiert den Rat der Zehn für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Stefan Keim

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kompetent

Alles in britischer Hand beim weltweit ältesten Barockfestival, den Göttinger Händel-Festspielen? Man möchte es meinen. Signifikant der hohe Anteil von Besuchern aus Großbritannien, die gleiche Dominanz bei den Ausführenden. Auch für die 98., unter dem Motto «Konflikte» stehende Ausgabe brachte der künstlerische Leiter Laurence Cummings vorwiegend Gäste von der...

Geist der Utopie

Vielleicht war Dieter Schnebel unter den Komponisten der Nachkriegsavantgarde derjenige, der die Grenzen des Experimentellen am weitesten erforschen konnte. Das Reflektieren, Probieren auf den Feldern des musikalisch Neuen betrieb der Musikwissenschaftler, Theologe, Essayist und Hochschullehrer bis ins hohe Alter. Noch kurz vor seinem Tod am 20. Mai präsentierte...

Wie ein Blitz

Inszeniert in Russland ein Schauspielregisseur eine Oper, geht das meist daneben. Würde der vielgerühmte Konstantin Bogomolov hier eine Ausnahme bilden? Bogomolov ist in den letzten sechs, sieben Jahren zu Moskaus Kultregisseur aufgestiegen, seine provokanten, sozialkritischen Arbeiten am Künstler-Theater begeistern ein breites Publikum. Für Anton Getman, den...