Die Macht des Schicksals
Gott würfelt nicht. Nie. Gott folgt einem klaren, graniten verfugten Schöpfungsplan. Die Götter Griechenlands hingegen, ohnehin eine überaus bunte Versammlung apart-disparater Naturgewalten und neurotischer Temperamente, haben es damit nie so ganz genau genommen. Kam es ihnen in ihren launischen Sinn, lockten sie die Irdischen auch mal heraus aus ihrer kleinen Welt, um zu sehen, wie sie sich fern der Heimat zu helfen wüssten. Besonders schlimm traf es den Ursänger Orpheus.
Kaum hatte er seiner schönen Eurydice den Hochzeitsschleier gelüftet und ihr einen sanften Kuss auf die Lippen gehaucht, sank sie zu Boden und atmete nicht mehr. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt und auch, welch himmlische Musik Christoph Willibald Gluck dazu erfunden hat in seiner ersten Reformoper «Orfeo ed Euridice» von 1762.
Fragt sich nur: Wie erzählt man diese Geschichte heute? Gott ist abwesend, wenn nicht tot (darüber streiten die Gelehrten noch), die Götter harren im Exil der Dinge, und die Sache mit der Liebe ist in unserer eskapistischen Gesellschaft auch nicht einfacher geworden. Daniel Slater wählt beim Grange Festival den bestmöglichen Weg. Er lässt den Dingen und Menschen (und auch ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Die Musik von Olivier Messiaen ist … wie ein Kirchenfenster. Voller freudvoller Farben, aber auch hermetisch unterteilt, vom Heiligen Geist durchsprüht und manchmal unfassbar statisch und formelhaft. Der gläubige Katholik, Orgelvirtuose, Komponist, Lehrer und Hobby-Ornithologe verstand sein Musiktheaterwerk «Saint François d’Assise» sicher als sein Opus magnum....
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...
