Mit dem Rasenmäher
Wenn dies auch Tollheit ist, hat es doch Methode», scheint mit Shakespeares «Hamlet» die Devise dieser Aufführung zu sein. «Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro» heißt (übersetzt) der Titel von Beaumarchais’ aufrührerischer Komödie, die Mozarts und Da Pontes Oper zugrunde liegt.
In Barbora Horá-kovás Inszenierung, die das Nationaltheater Mannheim im Schwetzinger Rokokotheater herausbrachte, begann der Tag noch vor der Ouvertüre so toll wie nie zuvor – mit jenem ohrenbetäubend minutenlangen Lärm eines Rasenmähers, mit dem der Gärtner Antonio den grünen Bühnenboden stutzte. Die akustische Duftmarke durfte man wörtlich nehmen, denn damit holt Horáková Mozarts Charakterkomödie auf höchst gewalttätige Weise in die heutige Realität. Heraus kam bestenfalls eine verrückte Farce, schlimmstenfalls – und das im Verlauf des Abends leider zunehmend – eine ärgerliche Show, die auch die Musik auf das Niveau einer Soap-Opera herabwürdigt.
In Horákovás Setting ist der Graf ein Immobilienhai, der eine Neubausiedlung einweiht. Nicht ganz uneigennützig schenkt der Womanizer seinen heiratswilligen Angestellten Susanna und Figaro eines der von Falko Herold im Spielzeugformat entworfenen ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Zerborsten, ausgehöhlt wie eine Ruinenlandschaft klingt das Orchestervorspiel in Søren Nils Eichbergs «Oryx and Crake». Außer vereinzelten Glockenschlägen sind alle Klangfarben ausradiert. Erlahmt tönen die Instrumente in tief-rauem Spektrum. Vor diesem düsteren Tableau, das Dirigent Albert Horne mit dem Hessischen Staatsorchester präzise erschließt, lassen...
Ein schlimmer Zwerg zieht Jüngling Siegfried auf,
Ein Schwert, das nicht mehr funzt, ganz neu zu bauen,
Um so den Drachen Fafner zu verhauen.
Ein Typ mit Hut tritt ein und klagt, worauf
Der Zwerg und Siegfried zu dem Drachen laufen.
Der Held nimmt Nothung, haut den Hund kaputt.
Ein Vogel flüstert lieblich: «Nimm den Schutt!
Denn mit dem Gold dort kannst du alles...
Selbstlob stinke nur dem Neider, soll Goethe gesagt haben. So nimmt man denn mit Schmunzeln zur Kenntnis, dass Claudia Behn Rezensionen zu ihrer Biografie über die Koloratursopranistin Rita Streich (1920–1987) gleich selbst verfasste: Dies wäre «ein wunderbares, interessantes und flüssig lesbares Buch, das sich auch als Weihnachtsgeschenk für Opernliebhaberinnen...
