Der Mythos lebt

Das Amsterdamer Opera Forward Festival spannt einen weiten Bogen von Orpheus zu postmodernen Formaten

Opernwelt - Logo

Das Jahr der Kollektive nimmt Fahrt auf. Die documenta 15 wirft mit ihrem indonesischen ruangrupa--Kuratorium lange Schatten voraus. Aber je näher das Top-Ereignis der Kunstwelt rückt, desto nebulöser wird, was in Kassel außer Diskursen im internationalen NGO-Jargon eigentlich stattfinden soll. Längst hat sich das, was man früher «Bildende Kunst» nannte, geweitet – hin zu Musik, Performance, weiteren angrenzenden Genres und Debatten jenseits rein ästhetischer Fragestellungen.

Im Gegenzug öffnen sich auch Musik- und Musiktheaterereignisse immer stärker der Kunst, der Performance, den Diskursen. Bis am Ende womöglich alles zusammenfließt auf kleinste gemeinsame Nenner? Bei der Berliner Maerz-Musik etwa entsteht beim Durchklicken der dysfunktionalen Webseite – ein gedrucktes Programmbuch gibt es nicht mehr – der Eindruck, dass Musik nur noch am Rande vorkommt und stattdessen Lectures, Workshops und Installationen die im Übrigen ziemlich verkopfte Dramaturgie des Festivals dominieren. 

Auch das Amsterdamer Opera Forward Festival nimmt in der diesjährigen Ausgabe, endlich wieder live, unter dem Motto «New Beginnings» die genannten Trends mit einem breiten Angebot auf. Es leistet sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Regine Müller

Weitere Beiträge
EIN INTELLEKTUELLES VERGNÜGEN

Das Werk dürfte weitgehend unbekannt sein. Dies aber nicht ganz zu Recht. Denn mag Joseph Franz von Götz’ 1779 uraufgeführtes Melodram «Lenardo und Blandine» nach der gleichnamigen Ballade Gottfried August Bürgers auch kein genialischer Wurf sein – für die Semiotik des Musiktheaters, für das gattungsimmanente Ineinander von natürlichen und künstlichen Zeichen, die...

EIN BISSCHEN FADE

Erstaunlich genug, aber das Schrifttum über Wolfgang Rihm ist recht begrenzt, obwohl er unbestritten zu den bedeutendsten Tonsetzern unserer Gegenwart zählt (OW 04/2022). Die Journalistin Eleonore Büning will nun Abhilfe schaffen. Ihr Buch deutet mit Bezug auf den gleichnamigen Titel einer Werkreihe Rihms an, dass es in «Über die Linie» auch ums kompositorische...

Der Wind dreht

Überall in Russland wird das Fernbleiben ausländischer Künstlerinnen und Künstler inzwischen schmerzhaft spürbar. Das Bolschoi-Theater verschob alle geplanten «Lohengrin»-Aufführungen aus Mangel an geeigneten Darstellerinnen und Darstellern auf unbestimmte Zeit. Auch das Programm der Moskauer Philharmonie hat sich auffallend verändert; als Ersatz für große...