Der Maler und seine Frauen
Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa wurzeln.
Jedes Kunstwerk bedarf einer metaphorischen Dimension, doch eine Oper braucht neben poetischen Momenten auch ein logisches dramaturgisches Gerüst. Der Text ist ein entscheidender Faktor.
Fords Librettistin Sue Smith, eine erfahrene Autorin von TV-Drehbüchern, hat dem Komponisten eine Serie locker gefügter Episoden über den großen Maler geliefert, dem Ganzen fehlt dramatische Durchschlagskraft. Nur ein Komponist mit Theaterblut hätte daraus Funken schlagen können. Ford gehört leider nicht zu dieser Spezies, und sein pauschaler, an der englischen Tradition orientierter Stil ist kaum geeignet, die Defizite in der Handlungsführung wettzumachen.
Gleichwohl hat sich die neu formierte Victorian Opera in Melbourne hohes Lob verdient, nicht nur für die «Rembrandt»-Premiere selbst, sondern auch für die Entscheidung, ...
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