Der klare Blick
Mit der «Frau ohne Schatten» lieferte Strauss seine reichhaltigste Partitur ab. Charakteristisch sind vor allem das hypnotische Klarinetten-Schneiden des Falken und das abfallende Dreiton-Leitmotiv Keikobads – fast schon explizit textgewordenes Menetekel zu einer Handlung voller (Mit-)Leid: Die Tochter des Geisterkönigs wirft keinen Schatten, sprich, sie kann keine Kinder bekommen und erscheint als Geist nicht von dieser Welt wie ihr Gatte. Dass AJ Glueckert in der Kölner Inszenierung wie ein der Schubert’schen «Winterreise» verwandt Entwanderter klingt, passt dazu wunderbar.
Das kaiserlich-kinderlose Gespann steht in Hofmannsthals Libretto einem irdischen Paar gegenüber: Färber und Färberin. Die Amme als Vermittlerin und die Kaiserin selbst dringen in diese «reale» Welt ein, um der Färberin ihren Schatten abzuwerben. Gelingt dies binnen drei Tagen, droht der Kaiser zu «versteinen» – was die Stimme des Falken wiederholt, schon fast genüsslich-höhnisch dazu veranlasst, seine Drohung in gesungenes Insistieren zu überführen.
Diese dunkle Märchenhandlung, die dem Publikum qua Partitur Verflucht-Dämonisches wie Leidenschaftlich-Menschliches nahebringt, erscheint in der Sichtweise von ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Arno Lücker
Gott ist allgegenwärtig. Und allmächtig. Egal, wohin man blickt in dieser «romantischen» Oper, in welche Gegend, in welchen Winkel, in welches Gesicht, seine Strahlkraft scheint unantastbar, unermesslich groß. Geht es vor Gericht oder um höhere Gerechtigkeit, wird allein er angerufen, fleht einer der Anwesenden um Gnade, richtet sich seine Hoffnung auf ihn, und...
Frau Byström, es gibt im Schwedischen ein Wort, dass die Fähigkeit zum lösungsorientierten Kompromiss zu beschreiben scheint – «lagom». Da es keine Entsprechung im Deutschen gibt, sind Sie so lieb und erläutern den Begriff?
(lacht) Ach, das ist viel einfacher, als Sie denken. «Lagom», das bedeutet eigentlich nur «nicht zu viel, nicht zu wenig» oder «in der Mitte»....
JUBILARE
Judith Forst wurde am 7. November 1943 im kanadischen New Westminster geboren. An der University of British Columbia studierte sie Gesang und feierte bereits 1968 ihr Debüt an der Metropolitan Opera als Page in Verdis «Rigoletto». Weitere Rollen an der «Met» waren unter anderem Tebaldo in Verdis «Don Carlo», Stéphano in Gounods «Roméo et Juliette»,...
