Dein ist mein ganzer Schmerz

Ulf Schirmer dirigiert eine Neuaufnahme von Lehárs romantischer Operette «Das Land des Lächelns»

Das Werk steht unangetastet vor uns. Doch die Umstände haben sich radikal verändert, damit die Bedingungen der Rezeption.

Denn wohl niemand wird ernstlich bezweifeln, dass der Hauch des Exotischen, wie er noch 1929 vom Land des Lächelns ausging, inzwischen einer fast pragmatischen Sichtweise gewichen ist: China, das ist nicht mehr länger Chiffre für das Andere schlechthin, für den Duft der Lotusblüte, für Dynastie und Mystik, China ist schlicht ein Land, mit dem man Wirtschaftsbeziehungen pflegt oder wohin man reist, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen (oder auch nicht, betrachtet man die aktuelle politische Lage) und (wenn man fährt) nebenher die Chinesische Mauer zu besichtigen.
Betrachtet man Lehárs «Land des Lä­chelns» aus dieser gleichsam realkapitalistischen Perspektive, mutet diese romantische Operette beinahe lieblich-naiv an. Das betrifft sowohl die musikalische Faktur, die doch recht klischeehaft mit den Eigenheiten Chinas verfährt (Pentatonik, Quinten- und Quartenreihungen et cetera) wie auch das Libretto der Operette, welches Ludwig Herzer und Fritz Beda-Löhner nach Victor Léon verfassten. Für die neue Aufnahme durch Ulf Schirmer, das Münchner Rundfunkorchester, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: CDs, Seite 72
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gott, allein zu Haus

Alceste, mon amour. Alceste, mio amore. Alkeste, meine Liebe. In welcher Sprache sie auch besungen wird: Wer an diese Frau denkt,  muss unweigerlich ans «Fidelio»-Ende denken. Wer ein holdes Weib errungen, stimme in den Jubel ein. Bei Alkestis, der Königin, wie sie bei Euripides erscheint, ist es allerdings eher eine nach innen gewendete Freude, ein Sich-Verneigen...

Abschied für immer

Die Theaterklause in Brandenburg an der Havel ist ein behaglicher Ort. Alles leuchtet in warmen Farben, an den Fens­tern hängen rote Vorhänge, die Wand hinterm Tresen ist holzverkleidet.  Doch der Blick des Theaterintendanten passt eher zu den traurigen Temperaturen vor der Tür. Kein Wunder, gleich beginnt die Uraufführung der Oper «Kleist». Es wird die letzte an...

Trotzköpfchens Rehabilitierung

«Eigentlich war ich», sagt Christa Ludwig, «ein Antityp der Carmen. Einmal, Anfang der 1960er Jahre, sprang ich an der Wiener Staatsoper für Jean Madeira ein, eine Carmen wie gemalt. Ich war dagegen ein Fiasko –‚ ‹Trotzköpfchens Zigeunerhochzeit›, schrieb der Kritiker Karl Löbl, und er hatte Recht.» Wer so erfolgreich war und so unumstritten ist wie die Ludwig,...