Das Paradies kennt keine Kunst
Herr Hopp, wir hören von Festivalveranstaltern immer wieder, dass sie die Moderne weitgehend aussparen, um das Publikum nicht zu überfordern. Anspruchsvolle Stücke des 20. Jahrhunderts seien Kassengift. Im Zentrum des musikfest berlin steht diesmal das Werk von Pierre Boulez und Luciano Berio. Wie schaffen Sie es, solche Programme durchzusetzen?
Es geht nicht darum, etwas durchzusetzen, sondern einem Interesse gerecht zu werden, auch Interesse zu wecken. Es ist ja nicht so, dass das Publikum keinen Sinn für das Außergewöhnliche und für die Kunst der Gegenwart hätte.
Für das musikfest berlin ist der Bezugsrahmen nicht allein die internationale Festivalszene, sondern insbesondere auch das, was künstlerisch und kulturell in der Stadt gewach-
sen ist. Es ist ein internationales Orchesterfestival, das sich als eine besondere Stimme im Musikleben der Stadt versteht. Einerseits ist es ein Gastspielfestival, andererseits nutzt es die Ressourcen vor Ort. Entsprechend ist die Finanzierung aufgestellt. Es gibt keine Patentrezepte, aber vernünftige und wirksame Konzepte.
Je höher die Auslastung, desto besser das Angebot?
Die Forderung hoher Auslastungsquoten allein führt in die Irre, auch wenn sie ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
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Als John Christie 1934 zum ersten Glyndebourne Festival auf seinen Landsitz in den Sussex Downs lud, standen Mozarts «Figaro» und «Così» auf dem Programm. Ein Jahr später kamen «Entführung» und «Zauberflöte» hinzu. Den ersten «Don Giovanni» dirigierte der von den Nazis aus Dresden vertriebene Fritz Busch, im NS-Olympia-Jahr 1936. Regie führte damals ein anderer...
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