Boyleske
Die Geschichte ist ja nicht ohne. Getäuscht sieht sich am Ende nicht nur Ihre Hässlichkeit, die Sumpfnymphe Platée. Überlistet wird auch Junon, die Jupiter mit ihrer notorischen (und durchweg begründeten) Eifersucht verfolgt. Das Ganze kam anno 1745 zur Unterhaltung und Erbauung auf die Bühne von Versailles, in Form einer ebenso virtuosen wie vielschichtigen Ballettoper, die zweifellos die Zustände am französischen Königshof parodiert, sie aber vorsichtshalber in den Bereich der Fabel verweist.
All das verständlich ins Hier und Heute zu übertragen, ist eine Herausforderung, die man nicht unbedingt einem Debütanten anvertrauen mag. Stijn Celis, am Saarländischen Staatstheater als Ballettdirektor im Amt, stellt sich ihr trotzdem und beweist damit zumindest: Mut. Die Courage eines Choreografen, dem das eigene Metier nicht mehr genügt. Das ist der Inszenierung zunächst nicht unbedingt anzumerken; der Belgier eröffnet die Aufführung mit einem bewegungsintensiven Prolog. Das mythische Personal ist zwar als solches noch erkennbar, aber die Satyrn und Mänaden geben sich punkig halbgescheitelt durchaus als unsere Zeitgenossen. Austauschbar auch die halbnackten Männer und Frauen, die ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Dass Frankfurter Künstler wie die Altistin Katharina Magiera und der Gitarrist Christopher Brandt sich um den Genius Loci bemühen, überrascht nicht. Doch haben die beiden abseits des viel begangenen Weges nach seltenen Goethe-Vertonungen gesucht; auch bei den Großen der Liedkomposition wie Mendelssohn, Schumann und Wolf (wobei bei den beiden Ersteren Lieder nach...
Eine Schnellstreckenstunde nur liegen sie auseinander, die Bayerische Staatsoper und das zweitgrößte Haus des Landes, das Staatstheater Nürnberg. Dank Deutscher Bahn sind sie zusammengerückt – nun auch in Repertoirefragen. «Ring», «Zauberflöte», solche Dopplungen ergeben sich quasi von selbst. In dieser Saison pflegen beide Häuser zudem fast zeitgleich zwei...
Während die Verlegung alter Geschichten in neue Zeiten und an neue Orte heute zum Handwerkszeug der Szenografie gehören, lohnt es sich vielleicht manchmal, den Blick aufs Original zu richten. Zumal wenn dabei – wie jetzt in Kiel – nicht bloß die Wiederkehr des ewig Gleichen herauskommt. Der italienische Videokünstler Luca Scarzella hat sich in Rom an den...
