Blick in eine andere Welt

Mailand, Puccini: Il trittico

Opernwelt - Logo

Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld musika­lischer Doppeldeutigkeiten zu tun, das sich in der Partitur findet: versteckte Anspielungen, triftige Zitate.

Erst hier (die drei Stücke wurden in der üblichen Reihenfolge gegeben), gleichsam auf dem sicheren Grund der Komödie, schien Riccardo Chailly am Pult des Scala-Orches­ters die vielen interessanten Details der Musik ins Visier zu nehmen.
Dabei kam ihm Leo Nuccis famose Gestaltung der ­Titelrolle zupass – ein mühelos, ja geradezu in Bestform agierender Schicchi-Veteran. Er trug als Einziger ein Renaissance-Outfit, während alle anderen wie Leute von heute auftraten (Kostüme: Silvia Aymonino). Sollte der Renaissance-Mensch tatsächlich ehrlicher, weniger verlogen gewesen sein als wir? Das Ensemble vermittelte mit sorgfältig choreografierten Winkelzügen die Habgier und das Intrigantentum der Verwandtschaft.
Als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Tom Sutcliffe

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der enthüllende Blick

Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staats­oper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer»....

Lange nicht gesehen

Es muss nicht immer der Kanon sein. Auch in den Moskauer Opernhäusern bemüht man sich um die Werke, die man im Mainstream vergeblich sucht. Gleich drei Produktionen legten davon Zeugnis ab.
Am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko (MTSNM) stand «Die Mainacht» von Rimsky-Korsakow auf dem Spielplan. Nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein...

Frühlingserwachen in Südwest

Interim. Das heißt «unterdessen – inzwischen» und bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch ein Provisorium. Das Theater Freiburg lebt damit nun schon im zweiten Jahr, nachdem General­musikdirektorin Karen Kamensek sich im Umfeld des Intendantinnenwechsels (Amélie Niermeyer/Barbara Mundel) vorzeitig aus dem Amt zurückgezogen hatte und die Nachfolgesuche sich...