Blick in eine andere Welt
Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld musikalischer Doppeldeutigkeiten zu tun, das sich in der Partitur findet: versteckte Anspielungen, triftige Zitate.
Erst hier (die drei Stücke wurden in der üblichen Reihenfolge gegeben), gleichsam auf dem sicheren Grund der Komödie, schien Riccardo Chailly am Pult des Scala-Orchesters die vielen interessanten Details der Musik ins Visier zu nehmen.
Dabei kam ihm Leo Nuccis famose Gestaltung der Titelrolle zupass – ein mühelos, ja geradezu in Bestform agierender Schicchi-Veteran. Er trug als Einziger ein Renaissance-Outfit, während alle anderen wie Leute von heute auftraten (Kostüme: Silvia Aymonino). Sollte der Renaissance-Mensch tatsächlich ehrlicher, weniger verlogen gewesen sein als wir? Das Ensemble vermittelte mit sorgfältig choreografierten Winkelzügen die Habgier und das Intrigantentum der Verwandtschaft.
Als ...
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