BITTERSÜSS
Mit wenigen Erzählstoffen hat sich Georg Friedrich Händel ausführlicher beschäftigt als mit der im 13. Buch von Ovids «Metamorphosen» geschilderten Geschichte von Aci und Galatea. Polifem, der einäugige Riese, verkörpert den Ätna, der Hirt Aci den gleichnamigen kleinen Fluss, der sich von den Höhen des Vulkans ins Mittelmeer ergießt. Die Liebe zwischen der Meeresnymphe Galatea und dem Hirtenknaben erregt Polifems Eifersucht, der mehrfach von der Schönen zurückgewiesen wird. Mit einem Felsbrocken tötet er Aci.
Galatea erbittet von ihrem Vater Nereus, sein Blut in einen Fluss zu verwandeln, damit sie sich mit dem Geliebten im Meer wieder vereinen kann.
Händel hat zwei auf dieser Handlung beruhende Werke komponiert, die zunächst kaum musikalische Überschneidungen aufwiesen. Am 16. Juni 1708 schloss er in Neapel die cantata a tre «Aci, Galatea e Polifemo» ab, ein Auftrag der Herzogin Aurora Sanseverino anlässlich der Hochzeit ihrer Nichte Beatrice. Das Libretto verfasste Nicola Giuvo, der Sekretär der Herzogin. Nach der ersten Aufführung wurde die Serenata für drei Sänger und ein mit Streichern, Blockflöten, Oboen und Trompeten sehr farbig besetztes Orchester nachweislich zwei ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 36
von Götz Thieme
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