Beißend und bitterböse
Nichts ist ungeheurer als der Drache – allerdings nur so lange, wie er wütet zwischen den Menschen. Jenes Monstrum jedoch, das Paul Dessau in seiner Oper «Lanzelot» auf ein mal düster-dräuendes, mal sarkastisch schmatzendes Libretto von Heiner Müller besang (dem wiederum die wunderbar traurige Parabel «Der Drache» von Jewgeni Schwarz zugrunde lag), schlief nach seiner Taufhebung 1969 und zwei Folgeaufführungen ein halbes Jahrhundert lang, bevor es – in einer rauschhaften Aufführung am Deutschen Nationaltheater Weimar – wieder aufgeweckt wurde.
Hatte noch der Komponist selbst sein Ungeheuer als Symbol für den Faschismus und den Titelhelden als «Sinnbild für die Befreiung von jeglicher Ausbeutung» bezeichnet, so findet sich die wahre Tiefe des mit mehr als 150 Beteiligten übermäßig üppigen Werks in jenem so messerscharf und zugleich sublim gezeichneten Verhältnis zwischen der Macht und denen, die ihr verfallen sind
Im März 1970 widmete die Zeitschrift «Theater der Zeit», damals das «Organ des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR», eine Ausgabe Paul Dessaus Oper «Lanzelot», die am 19. Dezember 1969 ihre Uraufführung an der Staatsoper Berlin gehabt hatte, Regie führte Ruth ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 40
von Egbert Tholl
Als Wolfgang Amadeus Mozart 1790 zur Kaiser-Krönung Leopolds II. nach Frankfurt reiste, erhoffte er sich über die Anerkennung hinaus auch finanziellen Gewinn, doch das Ergebnis war «in betreff des Geldes mager». Und Mozart, der immerhin die Klavierkonzerte KV 459 und 573 gespielt hatte, reagierte verärgert: «Übrigens sind die Leute hier noch mehr Pfennigfuchser als...
Sie kennen den Betrieb beide wie ihre eigene Westentasche. Hier Aviel Cahn, der während seiner Zeit als Intendant die Opera Vlaanderen in Antwerpen und Gent (2009–2019) mit mutiger Stückauswahl und ambitionierten Regiehandschriften international wettbewerbstauglich gemacht hat und dieses Prinzip seit Beginn der Spielzeit 2019/20 auch am (frisch renovierten) Grand...
«Ich sitze in dem kleinsten Zimmer in meinem Hause. Ich habe Ihre Kritik vor mir. Im nächsten Augenblick wird sie hinter mir sein!»
Eigentlich, dachte ich, kann so ein Zitat nur von jemandem wie Mark Twain stammen. Barbra Streisand hat es fälschlicherweise George Bernard Shaw zugeschrieben. Umso erfreulicher war für mich die Entdeckung, dass hier der asketische...
