Auweia!

Marco Štorman macht an der Staatsoper Stuttgart aus Ralph Benatzkys Revue-Operette «Casanova» ein Lehrstück, das gründlich schief geht

Opernwelt - Logo

Rien ne va plus? Au weia!» Mit diesem Geflachse, als hätten sie’s geahnt, beginnt das Editorial der Stuttgarter «Oper im Winter» zur Aufführung von Ralph Benatzkys «Casanova» auf Musik von Johann Strauss. Einen solchen künstlerischen GAU hat das Haus seit 2006 nicht mehr erlebt. Damals kam Klaus Zehelein bei seiner allerletzten Premiere der Regisseur abhanden, diesmal kam dem Regisseur unter kräftiger Nachhilfe der hauseigenen Dramaturgie das Stück abhanden.

«Casanova», 1928 einen Tag nach der Premiere von Brecht/Weills «Dreigroschenoper» uraufgeführt, war einer der spektakulärsten Erfolge des Berliner Unterhaltungstheaters – eine Revue-Operette über Liebe, Begehren, Verführung und Sexualität, mehr Music-Hall als Schauspiel, mehr Nummern-Show als Handlung.

In Stuttgart wird der männliche Blick des Stücks um eine aktuelle weibliche Perspektive erweitert, den häppchenweise zwischen die Musik parzellierten Text Judith Schalanskys über die antike Dichterin Sappho. Man fühlt sich in dieser «Diskurs-Operette» auf eine Schulbank versetzt – umso mehr, als die Mezzosopranistin Maria Theresa Ullrich als Barberina die papierenen Belanglosigkeiten mehr schlecht als recht über die Rampe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Vorschau und Impressum OW 2/25

Erstaufführung I
Ein Tinnitus-Geräusch wird zur Oper: Eine Frau kann nicht mehr schlafen, weil sie von einem tiefen Brummton heimgesucht wird. Anderen geht es ähnlich, ein Philosoph vermag offenbar zu helfen. 2022 wurde der Opernthriller «The Listeners» der US-Amerikanerin Missy Mazzoli in Oslo aus der Taufe gehoben. Wir berichten von der Deutschen Erstaufführung...

Unterbelichtet

Bremen ist das Bundesland mit der höchsten Armutsquote. Was das mit Oper zu tun hat und speziell mit «La Bohème»? Aus dem deprimierenden Ranking zieht Alize Zandwijk für ihre Inszenierung am dortigen Theater einen bemerkenswerten Schluss: Sie kooperiert mit der ortsansässigen Tafel – jener Organisation, die überschüssige Lebensmittel einsammelt, um sie an...

Vom Kino inspiriert

Was kann uns ein Thriller aus dem späten 19. Jahrhundert sagen? Das Wüten der zaristischen Geheimpolizei in Sankt Petersburg und Paris? Für Adepten des sogenannten «Regietheaters» gibt es nur eine Antwort: Aktualisieren! So beginnt Umberto Giordanos «Fedora» in Genf mit einer Videosequenz auf dem noch geschlossenen Vorhang. Der vielgefragte Regisseur Arnaud Bernard...