Ausdeutung durch Andeutung
Wenn die Herrichtung von «Tristan und Isolde» an der Opéra national du Rhin in Straßburg und Mulhouse jemanden in den Wahnsinn getrieben hat, ist uns das nicht bekannt. Wer ihr ein Lob des Maßes nachsagen wollte, begäbe sich aber gleichfalls auf schwankenden Boden.
Denn: Welches andere Musiktheaterwerk überschreitet so mutwillig und aggressiv jede Grenze künstlerischen Wohlverhaltens, wo anders als hier ist alles künstlerische Streben maßlos? Auch dass es eine der «mittelmäßigen Aufführungen» gewesen wäre, die Richard Wagner seiner berühmten Briefäußerung an Mathilde Wesendonck zufolge einzig retten konnten, käme einer Fehldeutung gleich.
Antony McDonalds zurückhaltende szenische Auslegung zielt mit einigem Erfolg auf einen Mittelweg zu Wagner, das lässt sich schwerlich leugnen. Dass man McDonald mit dem kritischen Besteck des Regietheaters leicht zu Leibe rücken kann, auch nicht. Im Falle dieser «Tristan»-Visualisierung wäre das jedoch ganz unangebracht. Jeder weiß es: In dieser «Handlung in drei Aufzügen» passiert äußerlich so gut wie nichts. Alles begibt sich zwischen den Akten, alles im Inneren der Figuren. Und diesen Aktions-Minimalismus in einen der Gebärden übertragen zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Heinz W. Koch
Es muss ja gar nicht so schlimm kommen, das meint zumindest der Architekt. Aber jetzt ist die Zahl nun mal in der Welt. 235 Millionen Euro für die Theatersanierung, die Nachricht hat Augsburg in einen Schockzustand versetzt. Dabei gibt es noch so viel anderes, das den Haushalt belastet: die Renovierung der Schulen, die Dauerbaustelle Bahnhof; manches wurde...
Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Das ändert sich langsam, denn durch die Initiative des Palazzetto Bru Zane werden seine Werke jetzt erneut zur Diskussion gestellt. Nach «Herculanum» und «Lalla Roukh» (siehe OW 2/2015) ist jetzt die sinfonische Ode «Le...
Bergen ist nicht Sevilla. Ein attraktiver Opernort will die zweitgrößte Stadt Norwegens aber sein – erst recht, seit die ehrgeizige schottische Intendantin Mary Miller vor gut vier Jahren die Geschicke der erst 2005 gegründeten Bergen National Opera übernommen hat. Auch wenn sie dabei besonders auf Stücke setzt, die im Norden bisher wenig gespielt wurden, darf ein...
