Ausdeutung durch Andeutung

Wagner: Tristan und Isolde Straßburg / Opernhaus

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Wenn die Herrichtung von «Tristan und Isolde» an der Opéra national du Rhin in Straßburg und Mulhouse jemanden in den Wahnsinn getrieben hat, ist uns das nicht bekannt. Wer ihr ein Lob des Maßes nachsagen wollte, begäbe sich aber gleichfalls auf schwankenden Boden.

Denn: Welches andere Musiktheaterwerk überschreitet so mutwillig und aggressiv jede Grenze künstlerischen Wohlverhaltens, wo anders als hier ist alles künstlerische Streben maßlos? Auch dass es eine der «mittelmäßigen Aufführungen» gewesen wäre, die Richard Wagner seiner berühmten Briefäußerung an Mathilde Wesendonck zufolge einzig retten konnten, käme einer Fehldeutung gleich.

Antony McDonalds zurückhaltende szenische Auslegung zielt mit einigem Erfolg auf einen Mittelweg zu Wagner, das lässt sich schwerlich leugnen. Dass man McDonald mit dem kritischen Besteck des Regietheaters leicht zu Leibe rücken kann, auch nicht. Im Falle dieser «Tristan»-Visualisierung wäre das jedoch ganz unangebracht. Jeder weiß es: In dieser «Handlung in drei Aufzügen» passiert äußerlich so gut wie nichts. Alles begibt sich zwischen den Akten, alles im Inneren der Figuren. Und diesen Aktions-Minimalismus in einen der Gebärden übertragen zu ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Heinz W. Koch

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